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WAS MACHT EIGENTLICH...

Wolfgang Thiel war früher ein erfolgreicher saarländischer Schwimmer und Schwimm-Landestrainer.
Foto: pebe sport - Triathlonagentur

…Wolfgang Thiel?

Der erfolgreiche saarländische Schwimmer und Schwimm-Landestrainer war zwischen 1996 und 2013 als Bundestrainer und Sportdirektor der Deutschen Triathlon-Union maßgeblich an der erfolgreichsten Zeit des deutschen Triathlons beteiligt. Heute hält der 66-Jährige noch Fachvorträge und ist erster Vorsitzender seines Heimatvereins.

Der WM-Titel von Daniel Unger 2007 und Jan Frodenos Goldmedaille 2008 bei den Olympischen Spielen von Peking waren natürlich die absoluten Highlights und haben für den Bekanntheitsgrad des olympischen Triathlons hierzulande einen unschätzbaren Wert", betont Wolfgang Thiel aus dem Saarbrücker Stadtteil Altenkessel, der diese sehr erfolgreiche Periode wesentlich mitgestalten konnte. Als Bundestrainer und Sportdirektor der Deutschen Triathlon-Union (DTU) hat er zahlreiche Talente zu Weltklasse-Athleten entwickelt und den Verband in Sachen Trainingsmethodik und Organisation auf einen guten Weg gebracht. „Ich habe mit meinen Schützlingen bei Reisen zu Wettkämpfen und Trainingslagern bestimmt zehnmal die Welt umrundet und war mindestens ein Drittel des Jahres im Ausland unterwegs", beschreibt Thiel diese anstrengende, aber erfüllende Zeit.

Allein über acht Jahre arbeitete er in den 80er-Jahren als Schwimm-Nationaltrainer von Kuwait, wo er viele Erfahrungen beim Schaffen neuer Strukturen sammeln konnte: „Diese Erfahrungen konnte ich als Bundestrainer der deutschen Triathleten dann sehr gut einbringen. Da diese Sportart bezüglich der Trainingswissenschaft und des Aufbaus sportlicher Konzepte noch in den Kinderschuhen steckte, konnte ich in wenigen Jahren viel bewegen."

Die goldenen Jahre sind vorbei

Thiels Engagement hat Früchte getragen und eine Blütezeit des deutschen Triathlons eingeleitet. Athleten wie Daniel Unger, Jan Frodeno, Steffen Justus, Anja Dittmer, Andreas Raelert, Maik Petzold, Anne Haug oder Joelle Franzmann konnte er an die Weltelite heranführen. Der Bundestützpunkt Triathlon wurde in seiner Amtszeit zu einem der weltweit führenden Trainingszentren ausgebaut, an dem auch viele ausländische Topathleten ihre Trainingslager absolvierten. Trotz dieser großen Erfolge konnten sich Thiel und die DTU 2013 nicht mehr über zukünftige Konzepte und Strukturen einigen. Der Saarländer schied bei der DTU aus: „Die Vorgaben des DTU-Vorstands waren mit meinen eigenen Vorstellungen und Konzepten nicht kompatibel", sagt Thiel. In der Folge hat sich der 66-Jährige weitgehend aus dem Triathlon zurückgezogen, weil er nicht als „besserwissender Aussteiger" nachkarten wollte. Insgesamt sieht sich Thiel aber durch die aktuell rückläufige Entwicklung im deutschen Triathlon bestätigt. Seiner Auffassung nach dürfte es schwer werden, künftig an die goldenen deutschen Jahre dieser Sportart anzuknüpfen.

Thiels sportliche Karriere begann 1965 als Jugendschwimmer beim Heimatverein SV Altenkessel und dem SV 08 Saarbrücken, wo er etliche saarländische Rekorde und Meisterschaften verbuchen konnte und deutscher Jahrgangsmeister und Mitglied des Jugend-Nationalteams wurde. Zusammen mit Klaus Steinbach war Thiel einer der Schwimmer des 1969 gegründeten Max-Ritter-Sportinternats in Saarbrücken. Nachdem dann Knieprobleme seiner weiteren Karriere ein frühes Ende bereiteten, entschied er sich für eine Trainertätigkeit. Am Triathlon hat ihn besonders gereizt, dass hier drei Disziplinen zusammengeführt, in Einzelsportarten trainiert und aufeinander abgestimmt werden müssen. „Das Ziel war immer, in allen drei Disziplinen in allen internationalen Top-Wettbewerben Spitzenleistungen abzuliefern, was der DTU in meiner Zeit immer sehr gut gelungen ist", blickt Thiel zufrieden zurück.

Nach seinem Ausscheiden bei der DTU war Thiel noch wenige Jahre als Berater tätig. Er hat unter anderem für das Nationale Olympische Komitee als technischer Experte in Dubai gearbeitet und war dort als Vortragsredner bei Fachkongressen und Verbänden tätig. Aus privaten Gründen hat er sich 2016 aus dem Sport komplett zurückgezogen: „Nur meinem SV Altenkessel bin ich weiterhin als Vorsitzender treu, weil meine Bemühungen um Nachfolger bisher nicht erfolgreich waren!"

„Nie ehrgeiziger Sportler-Vater"

Als noch frisch gebackener Rentner hat Thiel jetzt mehr Zeit, sich seinen drei Enkeln zu widmen. Der fünfjährigen Enkelin hat er gerade im Altenkesseler Schwimmbad das Schwimmen beigebracht. Vielleicht treten ja auch die Enkelkinder mal in seine Fußstapfen, wie dies seine Kinder Oliver (34), Nora (32) und Yannic (24) schon getan haben. Der in Kuwait geborene Oliver hat es als Schwimmer sogar ins Jugend-Nationalteam geschafft und war deutscher Jugendmeister. „Ich war aber nie der ehrgeizige Sportler-Vater, war nie fordernd, sondern allenfalls unterstützend tätig", betont Thiel. Er selbst macht „täglich etwas Sportliches", aber ohne festes Programm. Er fährt viel Rad und Ski, geht ins Fitnessstudio und versorgt seinen Garten. Als begeisterter Wanderer liebt er vor allem Hüttentouren in den Bergen. 2017 unternahm er auch eine vierwöchige Vespa-Tour durch die Toskana. Obwohl er sportbedingt in vielen Ländern der Erde unterwegs und allein bei vier Olympischen Spielen dabei war, findet er immer wieder Ecken, die er noch nicht kennt und die er nach und nach erkunden will. „Ich bin heute ein sehr zufriedener Mensch und genieße das Leben!", zieht Thiel ein für sich bisher positives Fazit.

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