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WAS MACHT EIGENTLICH...

Als Prostituierte Irma verdreht Shirley MacLaine in dem Film von 1963 Jack Lemmon gehörig den Kopf.
Foto: picture alliance / Everett Collection

… Shirley MacLaine?

Mit Kinohits wie „Das Mädchen Irma La Douce" und „Das Appartment" prägte sie in den 60er- und 70er-Jahren das moderne Frauenbild. Auch als Buch-Autorin, Filmregisseurin und Synchronsprecherin machte sie sich einen Namen. Am 24. April wird die Schauspielerin 85 Jahre alt.

Shirley MacLaines Kino-Debüt in der Komödie „Immer Ärger mit Harry" liegt bereits 63 Jahre zurück. Und sie ist immer noch aktiv: Kurz vor ihrem 85. Geburtstag am 24. April dieses Jahres hat sie die letzten Dreharbeiten an der Walt-Disney-Produktion „Noelle" abgeschlossen. In diesem abenteuerlichen Märchen über die Tochter des Weihnachtsmannes spielt MacLaine deren Kindermädchen. Dass sie im fortgeschrittenen Alter den alten Schwung noch nicht verloren hat, konnte sie bereits im Vorjahr zeigen: In der Verfilmung des Andersen-Märchens „Die kleine Meerjungfrau" übernahm sie eine Großmutterrolle und bei „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer" bewies sie als Synchronstimme von „Frau Mahlzahn" viel Einfühlungsvermögen. Ihre letzten Hauptrollen spielte sie 2016 in „Wild Oates" und 2017 in „Zu guter Letzt". In diesen beiden Komödien bestätigt Shirley MacLaine erneut, dass sie 1993 den American Comedy Award fürs komödiantische Lebenswerk zu Recht erhalten hat. Vor wenigen Jahren gab die Oscar-Preisträgerin auch mal in zwei Fernsehserien Kostproben ihres darstellerischen Könnens: in drei Episoden der History-Serie „Downtown Abbey" (2012) und in zwei Episoden der Musical-Comedy „Glee" (2014).

„Entertainment und Fun"

In der Komödie „Zu guter Letzt" geht es um die Themen Alter und Familie, die nach MacLaines Meinung wichtige Eckpfeiler unserer Gesellschaft sind: „In meinem Alter ist es schön, wenn man noch Jobs erhält und geradeaus denken kann. Allein dafür bin ich dankbar. Frauen in meiner Altersgruppe werden schnell vergessen in Hollywood. Auch in Familien haben ältere Menschen längst nicht mehr den Respekt wie früher", betonte sie 2017 bei der Nachrichtenagentur „Spot on News". Weil MacLaine das ändern will, hat sie diesen Film gedreht: „Auch alte Menschen gehen ins Kino und sehen sich selbst und ihre Themen auf der Leinwand. Es wäre schön, wenn Hollywood das erkennt."

Shirley MacLaine kehrte Ende der 80er-Jahre vor die Kamera zurück und hatte auch noch Anfang der Nullerjahre Filmerfolge.
Shirley MacLaine kehrte Ende der 80er-Jahre vor die Kamera zurück und hatte auch noch Anfang der Nullerjahre Filmerfolge. - Foto: imago / ZUMA Press

MacLaine sieht aber bereits nach vorn und berichtete kürzlich auf ihrer Webseite von einem neuen Filmprojekt, über das sie aber nur so viel verrät: „Es wird beides haben: Entertainment und Fun". Die Branche hat aber die 85-Jährige keineswegs vergessen. Nicht nur, dass sie im Vorjahr bei der Oscar-Verleihung mit ihrem drei Jahre jüngeren Bruder Warren Beatty auf der Bühne stand. Kurz vor ihrem 85. Geburtstag bekam sie im Februar 2019 den AARP Movies for the Grownup Career Achievement Award für ihre Erfolge in über 60 Jahren und über 50 Filmen, mit einem Oscar und sechs Oscar-Nominierungen, sieben Golden Globes und 14 Nominierungen, einem Emmy und fünf Nominierungen sowie zahlreichen weiteren Preisen. Dazu zählen auch die deutsche Goldene Kamera 1997, zwei Silberne Bären als beste Darstellerin 1959 und 1971 sowie der Ehrenpreis des Goldenen Bären 1999. MacLaine ist damit die bisher einzige Frau, die in Berlin zweimal den Preis als „Beste Darstellerin" entgegennehmen konnte.

Shirley MacLaine zeichnete sich in ihren Rollen vor allem durch eine große Vielseitigkeit aus: Sie spielte Prostituierte, Tänzerinnen, Arbeiterinnen, Lehrerinnen, eine Modeschöpferin und eine Nonne. Ihre darstellerische Bandbreite reicht dabei von sehr komisch bis sehr tragisch. Im Jahr 2000 führte sie in dem Streifen „Bruno" auch Regie. Außerdem hat sie seit 1970 bisher 16 Bücher mit einer Gesamtauflage von über 20 Millionen veröffentlicht, die zum Teil autobiografisch sind und in denen sie ihre spirituelle und esoterische Weltanschauung darlegt. Sie behauptet darin auch, dass sie bereits Erfahrungen mit Außerirdischen und Ufos habe. Angeblich ließ sich Hape Kerkeling von MacLaines Buch „Der Jakobsweg: eine spirituelle Reise" (2001) zu seiner später literarisch verarbeiteten Wanderung auf dem Jakobsweg inspirieren.

„Ich liebe das Feedback"

Von sich reden machte Shirley MacLaine immer wieder mit dem offenen Umgang mit ihren Affären, die sie mit fast allen Filmpartnern hatte: „Während der letzten 30 Jahre habe ich mich am Set von jedem meiner Filme verliebt", gestand sie 2012 der britischen Zeitung „Mirror". Wenn sie nicht arbeitet, lebt MacLaine heute recht zurückgezogen auf ihrer Ranch Casa Blanca in der Nähe von Santa Fé. „Auf meiner Ranch lebe ich glücklich in meiner eigenen spirituellen Welt." Sie gestalte ihr Leben jetzt einfacher, esse weniger, besitze keine Juwelen mehr und nur noch ein Auto. Gefallen hat sie allerdings daran gefunden, weiter esoterische Vorträge zu halten und unter dem Motto „Nachmittage…" beziehungsweise „Abende mit Shirley" mit dem Publikum über interessante Themen zu diskutieren. „Ich liebe das Feedback und die Fragen und die Verbindung mit den Menschen", betont die politisch als links-liberal eingeordnete Hollywood-Legende, die sich von heutigen Kolleginnen mehr Engagement gegen politische Missstände wünscht. Auch für ihr nächstes Leben hat sie einen Wunsch: „Ich möchte einen Außerirdischen kennenlernen. Ich kann es kaum abwarten herauszufinden, wie sie leben und was sie von uns Menschen halten."

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