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WAS MACHT EIGENTLICH...

Wencke Myhre bei einem Fotoshooting in den 70er-Jahren.
Foto: picture alliance / United Archives / Schweigmann

… Wencke Myhre?

Gassenhauer wie „Beiß nicht gleich in jeden Apfel" oder „Er steht im Tor" machten die Norwegerin ab den 60er-Jahren auch in Deutschland zum Schlagerstar. Nach einer Krebserkrankung 2010 steht die 72-Jährige heute gelegentlich wieder auf der Bühne.

Als erste norwegische Künstlerin hat Wencke Myhre 2011 im Nationalmuseum für Rock und Pop in Trondheim eine eigene Ausstellung erhalten. Diese wurde unter dem Titel „Wenckes Welt" sogar vom norwegischen Königspaar Harald und Sonja eröffnet. Damit trug man Myhres besonderer Bedeutung für die einheimische Unterhaltungsbranche als Sängerin, Schauspielerin und Kabarettistin Rechnung. Die Osloerin war seit den frühen 60er-Jahren fast ständig in den norwegischen und lange Zeit auch in internationalen Hitlisten vertreten. Im Februar 2014 konnte sie ihr 60-jähriges Berufsjubiläum feiern, denn bereits mit sieben Jahren hatte sie mit ihrem Vater Kjell und Bruder Reidar auf der Bühne gestanden. Auf diese sehr erfolgreiche Karriere blickt Myhre auch in ihrer 2013 erschienenen Autobiografie „Die Wencke" zurück.

Regelmäßiges beten hilft ihr

Nach einer Krebserkrankung steht die 72-Jährige heute gelegentlich wieder auf der Bühne.
Nach einer Krebserkrankung steht die 72-Jährige heute gelegentlich wieder auf der Bühne. - Foto: picture alliance / Revierfoto / Revierfoto / dpa

Noch mal ein Karrierehöhepunkt war für die Norwegerin eine gemeinsame Tour mit den skandinavischen Kolleginnen Gitte Hænning und Siw Malmkvist. Die Show „Gitte, Wencke, Siw" wurde zwischen 2004 und 2007 mehr als 500 Mal in Deutschland, Österreich und der Schweiz gespielt. Die dabei produzierte Live-CD erreichte die Top 100 der Album-Charts und wurde mit der Goldenen Stimmgabel ausgezeichnet. 2010 veröffentlichte Myhre dann nach achtjähriger Pause wieder ein Studioalbum, an dem sie unter dem Titel „Eingeliebt –
ausgeliebt" vier Jahre lang gearbeitet hatte. Anlässlich ihres 70. Geburtstages erschien dann ihr bisher letztes Album, das unter dem Titel „Singen" ihre bekanntesten Single-Hits und deren B-Seiten vereint. Bis heute ist Myhre gelegentlich noch in TV-Musiksendungen zu sehen und steht bei Oldie-Konzerten mit ihren Gute-Laune-Titeln wie „Er hat ein knallrotes Gummiboot" auf der Bühne.

Ein ganz besonderer Erfolg für Myhre hat gar nichts mit Musik zu tun: 2010 hatte sie ihre Brustkrebserkrankung öffentlich gemacht. Dank ihres großen Willens ließ sie sich aber nicht unterkriegen und stand nach Abschluss der Chemotherapie bald wieder auf der Bühne. Bisher gab es keine gesundheitlichen Rückschläge: „Aber ich lebe mit meiner Diagnose und mit dem Gedanken, dass es passieren könnte", zeigte sie sich 2016 gegenüber dem Frauenmagazin „Meins" vorsichtig. Sie bezeichnete sich selbst als ein Lebenskind, „geprägt von großen Herausforderungen und vielen Glücksmomenten als Sängerin" und habe ihr Glück immer selbst aktiv gesucht. Als gläubiger Mensch helfe ihr das regelmäßige Beten beim Überwinden schwieriger Situationen. Als 2017 auch noch eine Hüftoperation erforderlich wurde, beschloss Myhre, einiges in ihrem Leben zu ändern. „Ich habe im Alltag Zucker und weißes Brot gestrichen", verriet sie kürzlich dem norwegischen Magazin „Se og Hör". Statt Süßigkeiten zu kaufen, esse sie inzwischen lieber Knäckebrot und habe dadurch einige Kilo abgenommen. Ihr Diätprogramm ergänzt sie noch durch mehr körperliche Bewegung im Alltag. So geht sie mit ihrem Hund Oscar viel spazieren und macht selbst beim Kochen oft ein paar gezielte gymnastische Übungen. Außerdem liebt sie die Arbeit in ihrem Garten. Heute fühlt sie sich fitter und gesünder als je zuvor und genießt das Leben mit dem Musiker Anders Eljas, der seit 2000 an ihrer Seite steht. „Uns geht es gut miteinander. Es gibt keinen Grund, etwas zu ändern", verneint Myhre gelegentliche Fragen nach einer für sie vierten Hochzeit. Wenn sie Ruhe braucht, zieht sie sich gerne auf ihre Holzhütte in den norwegischen Bergen zurück und genießt die Natur. Aber immer nur Abgeschiedenheit mag Myhre auch nicht: „Ich bin gierig auf das pure Leben! Ich habe festgestellt, dass ich mit den Jahren immer neugieriger geworden bin." Durch ihre Lebenserfahrung könne sie mit allen „Stolpersteinen des Lebens" heute besser umgehen: „Mich wirft so schnell nichts mehr aus der Bahn!"

Zehn Enkel halten sie auf Trab

Positiv erlebt Myhre auch das Zusammensein mit ihren Enkeln. „Genau zehn Mädchen und Jungs zwischen sechs und 13 Jahren. Die halten mich auf Trab. Und sie wecken meine Kreativität, fordern ihre Oma jeden Tag aufs Neue heraus. Das macht nicht nur viel Spaß, sondern hält auch jung", betonte sie 2017 nach einem Auftritt in der Show „Willkommen bei Carmen Nebel" gegenüber der Online-Plattform „Schlager.de". Sie denke sich für die Enkel immer wieder neue Dinge aus und liebe es, sie mit gruseligen Kostümen und beim Verstecken zu überraschen oder mit dem Jüngsten, Adrian, Fußball zu spielen. Myhres vier Kinder nutzen gerne die Erfahrung der 72-Jährigen. „Wir reden viel miteinander, sie vertrauen mir viel an, was für mich als Mutter ein großes Kompliment ist." Nur ihr in der Familie sehr beliebtes Rezept für Pasta mit Kötbullar kann Myhre an die nachfolgenden Generationen nicht weitergeben: „Ich kenne es nicht. Ich koche immer nach Gefühl." Nach wie vor engagiert sich Wencke Myhre für soziale Zwecke. Schon 1965 wurde nach einer Spendenaktion in Gaza eine Kinderklinik mit ihrem Namen eröffnet. In den zurückliegenden Jahren unterstützte sie Flutopfer und HIV-Infizierte.

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