Bilder der Woche ausblenden
Bilder der Woche einblenden

WAS MACHT EIGENTLICH...

Heidi Mahler begann schon mit 17 Jahren ihre Ausbildung in Musik und Darstellender Kunst
Foto: picture alliance / United Archives | United Archives / TelePress

… Heidi Mahler?

Neben ihrer Mutter Heidi Kabel zählte sie jahrzehntelang zu den Stars des volkstümlichen Hamburger Ohnsorg-Theaters. Zudem wirkte sie in etlichen TV-Serien als Gast mit und war häufig auch als Hörspielsprecherin tätig. Die 77-Jährige verabschiedet sich in diesem Jahr von der Bühne und will sich dann ganz auf ihren Bauernhof in der Eifel zurückziehen.

Neue Stücke will Heidi Mahler nicht mehr spielen. Wenn die Theater wieder öffnen, will sie sich von ihrem Publikum im Hamburger Ohnsorg-Theater mit dem schon für 2020 vorgesehenen Klassiker „Tratsch op de Trepp" und bei ein paar Tournee-Gastspielen mit ihrem letzten Stück „En Mann mit Charakter" von der Bühne verabschieden. „Mein Abschied vom Theater zieht sich noch etwas hin. Das wird nicht von heute auf morgen passieren. Auch für 2021 sind schon ein paar Termine geplant", verrät sie trotz der Erfahrung, dass wegen der Corona-Beschränkungen wie bereits im Vorjahr so mancher Auftritt noch abgesagt werden könnte. Ähnlich wie ihre Mutter Heidi Kabel war Mahler in ihren inzwischen 57 Bühnenjahren zu einer weit über Norddeutschland hinaus bekannten Volksschauspielerin gereift. „Ich persönlich kann damit nicht so viel anfangen und halte den Begriff eigentlich auch für überflüssig. Aber irgendwie muss es wohl solche Einteilungen geben", ordnet Mahler ihre Kategorisierung ein. Da es meist nett gemeint sei, könne sie mit der Bezeichnung „Volksschauspielerin" gut leben, sagte sie kürzlich der „Nordwest-Zeitung".

Mit der Mutter gut harmoniert

Die 77-Jährige verabschiedet sich in diesem Jahr von der Bühne und will sich dann ganz auf ihren Bauernhof in der Eifel zurückziehen
Die 77-Jährige verabschiedet sich in diesem Jahr von der Bühne und will sich dann ganz auf ihren Bauernhof in der Eifel zurückziehen - Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt

Mahler, die 2004 zum 40-jährigen Bühnenjubiläum die Ohnsorg-Verdienstmedaille erhalten hatte, ist jetzt auch zum Ehrenmitglied des Ohnsorg-Theaters ernannt worden, eine Auszeichnung, die bisher neben ihrer Mutter nur noch vier weiteren Ensemblemitgliedern zuteilwurde. „Das ist eine riesengroße Ehre für mich! Das Ohnsorg-Theater war und ist schließlich mein Zuhause, in dem ich aufgewachsen bin", betonte sie 2019 in der „Mittelhessen-Zeitung". Dabei verriet sie auch, dass in ihrer Familie zu Hause gar kein Platt, sondern Hochdeutsch gesprochen wurde. Die Dialekte habe sie nur bei den Theateraufführungen oder beim Textabhören ihrer Eltern kennengelernt. Auf Tournee oder bei Fernsehaufzeichnungen sei ohnehin immer eine abgemilderte Mundart zu hören, meist das sogenannte Hamburger „Missingsch", das bundesweit verständlicher ist. Das Fernsehen habe zur Popularität der Ohnsorg-Darsteller viel beigetragen, allerdings hätte es in Sachen Mundart „ruhig mehr tun können und sollen, und das nicht bloß bei uns in Norddeutschland", plädiert Mahler für mehr Mut der Programmverantwortlichen bei der Verwendung regionaler Sprachen.

Vor allem dankbar ist die 77-Jährige, dass sie so lange mit ihrer 2010 verstorbenen Mutter Heidi Kabel gemeinsam auf der Bühne stehen konnte: „Mit meiner Mutter zu spielen, war immer sehr erfreulich, weil wir beide gut harmoniert haben." Schon 1964 bei ihrer Ohnsorg-Premiere war sie erstmals gemeinsam mit Heidi Kabel aufgetreten und war damit auch erstmals im Fernsehen zu sehen. Inzwischen hat Mahler beim Ohnsorg-Theater schon weit über 100 Bühnenrollen übernommen und keineswegs nur die komödiantischen, mit denen das Theater bekannt wurde. „Wir haben immer schon einen bunten Spielplan gehabt und früher neben Komödien regelmäßig auch ernstere Stücke gespielt". Allerdings seien im Fernsehen und auf Tourneen vor allem die heiteren Stoffe bevorzugt gezeigt worden. Mahlers Lieblingsrollen sind ein gehörloses Mädchen in dem ernsten Stück „Johnny Belinda", die Liesel Bänsch aus Hauptmanns „Michael Kramer" und „Mutter Mews", einem Mundart-Klassiker, in den sie im Laufe der Jahre verschiedene altersgemäße Frauenrollen übernommen hatte. Vergleiche mit ihrer Mutter stören Mahler nicht. „Mit ihr verglichen zu werden ist eine tolle Sache", sagte sie 2019 in einem Interview mit dem „Weser Kurier". Manchmal höre sie sogar noch ihre Mutter, wenn eine andere Schauspielerin neben ihr eine frühere Kabel-Rolle spielt.

Mehr Zeit für ihre Pferde

Trotz einiger Parallelen wollte Mahler aber immer ihr eigenes Ding machen: „Ich bin ich selbst und brauche mich nicht zu verstecken." Ihre Karriere verdankt sie eigenen Aussagen zufolge nicht allein ihren Genen: „Das allein reicht wohl nicht, zumal es genügend Beispiele für Schauspieler-Kinder, die überhaupt kein Gen für die Schauspielerei geerbt zu haben scheinen. Ein gewisses Maß an Talent und Fleiß sollte man schon mitbringen." Trotz ihrer Erfahrungen aus zahlreichen Bühnenrollen will sich Mahler allein auf Routine nicht verlassen: „Theater ist alles andere als Routine. Bei jedem Stück fängt man immer wieder bei null an", betont sie 2019 in der „Nordwest Zeitung". Allerdings habe sie im Laufe der Jahre feststellen können, dass Theater ihr zwar einiges bedeute, es für sie aber lange nicht den Stellenwert hat, den es für ihre Mutter gehabt hat.

Langeweile wird Mahler nicht haben, wenn demnächst der letzte Vorhang für sie gefallen sein wird. Sie will dann noch mehr Zeit auf ihrem Bauernhof in der Eifel verbringen, wo sie schon lange mit ihrem dritten Mann Michael Koch lebt. „Ich werde unheimlich fleißig sein. Ich habe hier zu Hause ein großes Grundstück. Dabei ist sogar ein wenig Wald. Ich gehe dann meiner gärtnerischen Seite nach." Außerdem kann sie ihren Pferden dann noch etwas mehr Aufmerksamkeit widmen.

MEHR AUS DIESEM RESORT

FORUM SERVICE