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WAS MACHT EIGENTLICH...

Erich Ribbeck 1977 als Trainer des
Foto: picture alliance / United Archives | Werner Otto

…  Erich Ribbeck?

Er hat zwischen 1967 und 1996 prominente Fußballclubs wie Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt oder Bayern München trainiert und holte 1988 mit Leverkusen den Uefa-Pokal. Als deutscher Nationaltrainer von 1998 bis 2000 weist er die bisher schlechteste Bilanz auf. Heute lebt der 84-Jährige zurückgezogen im Rheinland und auf Teneriffa.

Gut 20 Jahre nach dem blamablen Vorrundenaus der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-EM 2000 blickt der damalige Bundestrainer Erich Ribbeck durchaus optimistischer auf das aktuell laufende Kräftemessen der europäischen Nationalteams. Während er damals als „61-jähriger Debütant" mitten zwischen zwei EM-Endrunden eingestiegen sei und es Querelen innerhalb des eher durchschnittlichen Kaders gab, könne Jogi Löw heute nach langjähriger DFB-Erfahrung aus einem großen Fundus junger, technisch hervorragender und teamfähiger Akteure schöpfen. Was die Qualität der einzelnen Spieler angeht, da beneide er Löw auf jeden Fall. Für Ribbeck bedeutete das frühe EM-Ausscheiden 2000 gleichzeitig das Ende seiner gut drei Jahrzehnte langen Trainertätigkeit, während der er neben der Nationalelf bei den renommiertesten Bundesligaclubs gearbeitet hat. „Das war natürlich nicht der Abschluss, den man sich wünscht", bekannte er im Vorjahr der „Aachener Zeitung". Er habe ohnehin nach der EM aufhören wollen und auch Angebote von Vereinsclubs ausgeschlagen: „Ich war damals ja auch schon 63 Jahre alt und meine Frau war ganz froh, nicht mehr umziehen zu müssen." Eine Zeit lang hat es ihn schon gewurmt, dass er als Bundestrainer mit der schlechtesten Bilanz (zehn Siege, sechs Remis, acht Niederlagen) belächelt wurde. Er habe aber deswegen keine Magengeschwüre bekommen, allerdings habe die Familie unter seinen schlechten Kritiken gelitten.

„Ins Stadion geh ich nur selten"

Heute lebt der 84-Jährige zurückgezogen im Rheinland und auf Teneriffa
Heute lebt der 84-Jährige zurückgezogen im Rheinland und auf Teneriffa - Foto: picture alliance / dpa | Marius Becker

Heute wohnt Ribbeck zurückgezogen im rheinischen Pulheim und verbringt mehrere Monate in seinem Haus auf Teneriffa. „Ins Stadion gehe ich nur noch ganz selten. Das letzte Mal war ich vor, glaube ich, fünf Jahren im Stadion", verriet er 2020. Das aktuelle Geschehen verfolgt er über Sky am Bildschirm: „Wenn ich vor dem Fernsehen sitze, denke ich manchmal: Die müssen doch irgendwann nicht mehr laufen können." Das Spiel sei viel athletischer geworden, die Akteure liefen heute deutlich mehr, seien ballsicherer und insgesamt besser trainiert. Vor allem dem FC Liverpool schaut Ribbeck am Bildschirm gern zu: „Die sind 90 Minuten in Bewegung. Da gibt es keine 20 Querpässe hintereinander, und die Innenverteidiger haben am Ende nicht gefühlt 200 Ballkontakte." Ballbesitz-Fußball wie bei Pep Guardiola mag er gar nicht. Manchmal zähle er genervt die vielen Querpässe: „Dann bin ich manchmal bei 25 angelangt, und die sind immer noch nicht über die Mittellinie." Insgesamt gesehen vermisst Ribbeck aber heute den Fußball nicht mehr, denkt aber gern an den Gewinn des Uefa-Pokals mit Bayer Leverkusen als Karriere-Highlight zurück. Die Corona-Pandemie hat auch die Fußballclubs getroffen: „Um die großen Vereine mache ich mir trotz aller Meldungen um mögliche Insolvenzen weniger Sorgen. Vielleicht sorgt das endlich für ein Umdenken, was die Mega-Gehälter angeht", warnte Ribbeck in der „Stuttgarter Zeitung". Es wundere ihn ohnehin, dass der „einfache Fan" die hohen Spielergehälter einfach so hinnimmt. Für problematischer hält er die Situation der kleinen Vereine von der 3. Liga abwärts. Da müsse man erst noch abwarten, wie sie die Pandemie durchstehen. Er selbst sei gesundheitlich nicht durch Corona beeinträchtigt gewesen. In seiner zweiten Heimat Teneriffa habe man die Pandemie anfänglich nicht richtig ernst genommen, dann aber wegen der steigenden Todeszahlen härter durchgegriffen als in Deutschland. Wegen einer medizinischen Behandlung seiner Frau hat Ribbeck sich in den zurückliegenden Monaten längere Zeit auf Teneriffa aufgehalten, zumal er den Kontakt zu seinen Kindern und Enkeln ohnehin nur übers Telefon halten konnte. Ribbeck hat einige Knieoperationen hinter sich und bekam auch schon eine künstliche Hüfte implantiert. Trotzdem ist er für sein Alter relativ fit und spielt ab und zu noch Golf, während er das Surfen vor einiger Zeit aufgeben musste: „Ich habe einen Crosstrainer hier stehen. Da gehe ich alle zwei Tage drauf, um mich auszupowern", sagte er der „Aachener Zeitung" im Vorjahr. Außerdem habe er einen Pool, sodass er „zum Glück" nicht unbedingt spazieren gehen muss, um Bewegung zu haben. Die Zeit vertreibe er sich mit Internet, Fernsehen und seinem gut gefüllten Bücherschrank: „Und der Rasen muss auch gemäht werden", erklärt Ribbeck, dem Gartenarbeit inzwischen sogar richtig Spaß macht.

„Sir Erich" treibt noch immer Sport

Nach einer so langen Karriere im Profifußball und oft heftiger Medien-Kritik hat Ribbeck immer darauf verzichtet, mit seinen Gegnern abzurechnen: „Ich hätte ein Buch schreiben können. Es gab genug Stoff. Hatte ich aber keinen Bock drauf", betonte er kürzlich und zeigte sich immer noch als der Gentleman, den man stets in ihm sah. „Sir Erich" wurde er genannt. Der Job des Bundestrainers habe ihn damals eben sehr gereizt, sodass er trotz der negativen Umstände zugesagt hat. Dass diese Zeit für ihn persönlich ein Gewinn gewesen ist, würde er eher nicht behaupten: „Ob eines Tages, wenn ich die Augen zumache, 100 Leute bei meiner Beerdigung sind oder 500, das spielt keine Rolle."

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