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WAS MACHT EIGENTLICH...

Rolf Töpperwien gilt als unnachahmlich
Foto: imago sportfotodienst
… Rolf Töpperwien?

Mit seinem unnachahmlichen Stil rückte er ab 1975 rund 35 Jahre lang den Interviewpartnern oft dicht auf den Leib. Seit seinem Karriereende 2010 lebt der 70-Jährige zurückgezogen in Wiesbaden und gibt in Vorträgen Einblicke in sein buntes Leben.

 

Einen wie Rolf Töpperwien vermisst man heute irgendwie im Sportfernsehen. Seine manchmal skurrilen Ideen, seine leidenschaftliche Hingabe an den Fußball, seine Volkstümlichkeit und seine oft fast mit Körperkontakt gestellten Fragen brachten dem studierten Reporter viel Respekt bei Trainern, Spielern und Schiedsrichtern ein und machten ihn 37 Jahre lang beim Publikum zu einem der beliebtesten seiner Zunft. Egal, ob er dem Schalker Olaf Thon nach dessen drei Treffern im 6:6-Pokalknüller gegen den FC Bayern entlocken konnte, dass der damals 18-jährige Nachwuchskicker immer noch in der Fan-Bettwäsche der Münchner schläft. Oder ob er nach einem ausgiebigen, 4.000,- DM teuren Bordellbesuch schriftlich auf ZDF-Briefpapier gegen die Höhe der Rechnung protestierte oder sich kokainbenebelt mit brennendem Stroh-Rum fast abgefackelt hätte: „Töppi“ war nichts peinlich, er war immer für eine Überraschung gut und wurde nicht nur deswegen von den Fußballfans als einer der ihren anerkannt. „Ich gehe zu den Jungs in deren Stammkneipen, da spüren die dann beim Bier: Der Töppi hat die gleichen Interessen wie ich, der kennt die Hitparade und pfeift auch mal einer Frau nach“, bekannte der Reporter 2020 anlässlich seines 70. Geburtstages gegenüber RTL. Die Geburtstagsfeier verlief wegen Corona mit angezogener Handbremse: An zwei Tagen gab es ein vierstündiges Open-House, danach in seinem Wiesbadener Lieblings-Bistro „I-Punkt“ ein Essen im engsten Familienkreis. Töppis Affären und berufliche Pannen haben ihm nie wirklich geschadet. Der zeitweise kursierende Spruch: „Ist der Töpperwien am Ball, hoffen wir auf Tonausfall!“ war keineswegs eine Mehrheitsmeinung. Dass sein Herz besonders für Werder Bremen und dessen langjährigen Trainer Otto Rehagel schlug, hat Töppi nie abgestritten, trotzdem versuchte er stets fair zu bleiben. Manche der vielen Anekdoten aus seinem Reporterleben gibt Töpperwien heute gelegentlich noch bei Vorträgen zum Besten, einiges davon hatte er schon 2010 in seiner Biografie „Von Braunschweig bis Johannesburg“ detailliert ausgebreitet. Über dieses Buch schrieb damals die FAZ despektierlich: „Es trieft vor Größenwahnsinn und arglosen Sündenbekenntnissen!“

Blieb seinem Sender treu 

 

Rolf Töpperwien interviewt 1988 Otto Rehhagel – wie meistens bei seinen Gesprächen sehr körpernah
Rolf Töpperwien interviewt 1988 Otto Rehhagel – wie meistens bei seinen Gesprächen sehr körpernah - Foto: imago sportfotodienst

„Meine Zeit beim ZDF war der Traum meines Lebens“, schildert Töpperwien 2018 in einem Interview der „Wirtschafts-News“. „Ich wollte das und habe alles dafür gegeben!“ Fast vier Jahrzehnte blieb er seinem Sender treu, obwohl es Abwerbeversuche der Privaten gegeben hat und „Premiere“ ihn mit dem Amt des Sportchefs ködern wollte. Insgesamt berichtete Töppi („Nur meine Frau nennt mich Rolf!“) von 1.444 Bundesligapartien und gehörte quasi zum Inventar der Wohnstuben fernsehschauender Fußballfans. Erst mit der Geburt seines Sohnes 2006 habe er dann gemerkt, dass es etwas gibt, dass „mein Herz mehr erreicht als der Fußball, was vorher noch niemand geschafft hat“. Daher vermisst Töpperwien heute den Fußball und das ständige berufliche „Auf-Achse-Sein“ nicht, vielmehr erfreut er sich an seinem Familienleben: „Meinen Sohn Louis aufwachsen zu sehen, ist ein großes Geschenk! Er macht mich jeden Tag glücklich“, bekennt er. Während der Geburt seiner Tochter aus erster Ehe hatte er 1980 noch live vom Kaiserslauterer Betzenberg berichtet und war auch in den Folgejahren mehr unterwegs als zu Hause. Heute ist es stiller geworden um den einstigen Fernseh-„Lautsprecher“, der es mit seinem Mikrofon oft bis in die Umkleidekabinen der Kicker schaffte und mit seinem Stil wie kein anderer die wilden Jahre der Bundesliga symbolisiert. Ab und zu kann man ihn noch als Vortragsredner bei öffentlichen Veranstaltungen erleben und sich an intimen Einblicken in eine Bundesligazeit erfreuen, wie sie heute wohl kaum mehr möglich wäre. „Konkrete Pläne für die Zukunft habe ich nicht, nur einen Wunsch“, verriet Töpperwien im Vorjahr dem „Harz-Kurier“. „Ich möchte den 100. Geburtstag meiner Mutter ausrichten. Sie ist inzwischen 92 und erfreut sich bester Gesundheit.“ Den Ruhestand nutzt die Reporter-Legende vor allem für viel Familienzeit, viel Reisen und für das Genießen des Lebens.

Vom Videobeweis hält er nicht viel

Den aktuellen Fußball verfolgt Töpperwien natürlich weiterhin sehr aufmerksam und als erklärter Werder-Bremen-Fan hat er den gerade erfolgten Abstieg seines Clubs in die 2. Liga mit Bauchschmerzen akzeptieren müssen. Seiner Meinung nach befindet sich der Volkssport Fußball seit Jahren auf der Überholspur, das von vielen seit einiger Zeit befürchtete „Überdrehen“ sei überraschenderweise ausgeblieben: „Der Fußball ist das Wichtigste in diesem Land der Liebe: Er wird gefressen wie Brot. Da kommt nichts ran, und das wird so bleiben“, wagt Töpperwien einen Blick in die Zukunft. Einigen Neuerungen gegenüber „seiner“ damaligen Zeit, wie etwa die Torlinientechnik, kann er durchaus etwas abgewinnen. Anderer „technischer Schnickschnack“ überzeugt ihn eher nicht, und den Videobeweis hält er für oft wenig hilfreich, da er Fehlentscheidungen doch nicht verhindern kann.

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