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WAS MACHT EIGENTLICH...

Für seine erfolgreiche Filmmusik wurde der Komponist mit drei Oscars ausgezeichnet
Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

… Giorgio Moroder?

Sein elektronischer Synthesizer-Sound machten den Vater der Disco-Ära in den 70er-Jahren zum Star. Ausgezeichnet wurde er mit über 100 Gold- und Platin-Platten. Für seine Filmmusik erhielt er drei Oscars, drei Grammys und vier Golden Globes. Demnächst wird der 81-Jährige im neuen Musical „I Feel Love" gewürdigt.

Giorgio Moroders Disco- und Filmhits wie „Love to Love you, Baby", „I Feel Love", „Hot Stuff", „Flashdance... What a Feeling" oder „Take My Breath Away" waren zu ihrer Zeit absolute Top-Seller, füllten die Tanzflächen der angesagtesten Clubs und untermalten musikalisch Blockbuster wie „Flashdance", „Top Gun" oder „American Gigolo". Seine elektronischen Elemente, seine eingängigen Synthesizer-Sequenzen wurden zum Soundtrack einer ganzen Disco-Generation und beeinflussten stark spätere Musikrichtungen wie New Wave, House oder Techno. Moroder arbeitete mit großen Stars der Musikbranche zusammen, mit Freddie Mercury ebenso wie mit David Bowie, Kylie Minogue, Elton John oder Barbra Streisand. Er schrieb und produzierte die offiziellen Songs für drei Olympische Spiele (1984, 1988, 2008) und die Fußball-WM in Italien (1990). Ab den 90er-Jahren zog sich Moroder weitgehend aus der Musikbranche zurück und lebte seine Kreativität anderweitig aus. Eine Zeit lang hat er sich der Kunst zugewandt, sogar mit einem Kunst-Studium angefangen, und danach Videos und Fotos mithilfe der Computertechnik geschaffen und Shows mit Neon-Art gestaltet. „Außerdem produziere ich Kurzfilme, Filmmusik für Kino und Fernsehen – und spiele viel Golf!", beschreibt er sein kreatives Spektrum. Er war zudem an einem Super-Sportwagen-Projekt beteiligt: Von dem 600.000 Dollar teuren Cizeta V16T wurden nur acht Stück verkauft, dann kam die Pleite. Den Prototypen „Cizeta Moroder" besitzt der Namengeber noch heute.

Erlebte ein kleines Comeback

Giorgio Moroder wird demnächst im neuen Musical "I Feel Love" gewürdigt
Giorgio Moroder wird demnächst im neuen Musical "I Feel Love" gewürdigt - Foto: picture alliance / Stephan Persch

Das Musikgenie hat sich sogar mal als Architekt versucht und für eine Herrscherfamilie in Dubai ein pyramidenartiges Hotel konzipiert: Gebaut wurde es jedoch nie. Ebenfalls ein Flop war seine eigene Cognac-Likör-Marke. Als 2013 Daft Punk Moroders Stimme in ihren Song „Giorgio by Moroder" einbauten, erlebte der Zitierte ein kleines Comeback und veröffentlichte 2015 nach fast zwei Jahrzehnten sogar wieder ein Album: Als „Déjà Vu" allenfalls mäßig erfolgreich war, bezweifelte Moroder, dass er sich so etwas noch mal antun möchte. Dennoch halten sich Gerüchte, er könnte derzeit an einem weiteren Album arbeiten. Schon 2016 hatte er die Musik für das Videospiel „Tron RUN/r" beigesteuert. Auf jeden Fall wird Moroders große Zeit, die 70er- und 80er-Jahre, demnächst auf der Bühne aufleben: Wegen Corona um über ein Jahr verschoben, feiert von 17. bis 21. September sein Musical „I Feel Love" im Bozener Stadttheater vier Aufführungen. Und Moroder wird in seiner Heimat mit dabei sein, „in der Hoffnung, dass der Albtraum endet und ich fit genug bin, um anwesend zu sein!", betonte der 81-jährige kürzlich in der Südtiroler Zeitung „Alto Adige". In dem Musical, das gespickt ist mit Moroders Erfolgstiteln und ein paar neuen Songs, geht es um einen Disco-Besitzer, der seinen Club mit der Musik der 70er-Jahre neu beleben will. 

Moroder will sich auch mit 81 Jahren noch nicht zur Ruhe setzen. Er habe immer noch viele Ideen und so viel Spaß an der Musik, dass er kürzlich sogar die Produkte eines Unternehmens für Elektro-Antriebe akustisch aufpeppte. Die lange Corona-Pause hat er dazu genutzt, um an laufenden Projekten weiterzuarbeiten, vor allem an der Musik für den neuen Film „Top Gun: Maverick". Dazu habe ihn Tom Cruise bei einem Mittagessen überredet, nachdem die Songs „Dange Zone" und „Take My Breath Away" schon den ersten Film musikalisch wirkungsvoll untermalt hatten.

Tritt immer noch als DJ auf

Seit einigen Jahren tritt Moroder auch als Discjockey auf: „Meine Sets sind so aufgebaut, dass ich rund 70 Prozent eigene Sachen spiele – vorwiegend die alten Klassiker. Aber auch Avici und David Guetta schaffen es auf meine Playlist!", verriet Moroder 2019 dem Elektronikmusik-Magazin „Faze". Etwa 15 Leute begleiten den Komponisten bei seinen Auftritten, die ihn zuletzt 2019 auf einer Tour in 15 europäische Städte führten. Bei den Shows bedient er entweder die Vocoder, dirigiert einige Songs und erzählt dazwischen immer wieder Anekdoten aus seinem erfolgreichen Leben: „Diese Bühnenerfahrung ist einfach großartig!"

Wenn Moroder seine damalige Zeit mit der heutigen vergleicht, stellt er massive Veränderungen in der Musik und ihrer Produktion fest: „Alles ist viel technischer, qualitativ hochwertiger geworden. Die elektronische Musik hat sich in eine gute Richtung entwickelt!", betont er im „Faze"-Magazin. Es sei dank der Technik vielleicht einfacher, einen Song zu machen. „Das heißt aber lange noch nicht, dass er gut ist und gut läuft!" Außerdem sei natürlich Werbung unverzichtbar: „Ein Producer-Ass muss heutzutage auch ein Marketing-Ass sein." Einen Rat hat der Altmeister für junge Kollegen: „Viel arbeiten, so viele Stücke wie möglich komponieren. Was aber immer auch ein großer Erfolgsfaktor ist: Glück!"

Der in aller Welt erfolgreiche Musikmacher kehrt regelmäßig für ein paar Monate in seine Heimat Gröden zurück, wo er noch ein Haus besitzt und gern wandert: „Und wenn es zu kalt wird, setze ich mich in den Flieger und es geht wieder nach L.A.!"

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