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WAS MACHT EIGENTLICH...

Mit "Halloween - Die Nacht des Grauens" gelang John Carpenter der Durchbruch.
Foto: picture alliance / dpa

… John Carpenter?

„Halloween – Die Nacht des Grauens" wurde sein Durchbruch. Viele seiner Filme gelten heute als Klassiker, obwohl er auch einige Flops pro-duzierte. Mittlerweile lebt der 70-Jährige von der Öffentlichkeit zurückgezogen in Los Angeles.

Als John Carpenter in einem grässlich gefärbten Pullunder mit ockergelben und grünblauen Karos bei David Letterman sitzt, stellt der 34-jährige Regisseur seinen Science-Fiction-Horrorthriller „Das Ding aus einer anderen Welt" vor. Letterman verabschiedet sich mit den Worten, er habe ein gutes Gefühl, dass der Film gut laufe – er irrt sich gewaltig. Als „The Thing" am 25. Juni 1982 startet, ist die Welt gerade im „E.T."-Fieber. Steven Spielbergs süßliche Mär spielt an seinem dritten Wochenende mehr als 13 Millionen Dollar ein – weit mehr als die drei Millionen Dollar von Carpenters Werk. „Jeder Fehltritt trifft mich", gibt dieser zu Protokoll, „derjenige, der mich am meisten traf, war ‚Das Ding aus einer anderen Welt‘." Der heute als Meisterwerk geltende Film ist ein Knick in seiner Karriere, die doch so gut beginnt.

Der von ihm geschriebene Kurzfilm „The Resurrection of Broncho Billy" erhält 1971 einen Oscar für den besten Kurzfilm. Es folgt 1974 sein Kino-Debüt, die Science-Fiction-Groteske „Dark Star – Finsterer Stern". Nach dem düsteren Action-Streifen „Assault – Anschlag bei Nacht" (oder auch „Das Ende"; 1976) dreht er zwei Jahre später seinen bis heute erfolgreichsten Film: „Halloween – Die Nacht des Grauens". Der mit einem Budget von nur 30.000 Dollar realisierte Horrorfilm geht als bis dahin erfolgreichster unabhängig produzierter Film in die Geschichte ein: 70 Millionen Dollar schafft er an den weltweiten Kinokassen. Es folgen die sensationell getimte Gruselmär „The Fog – Nebel des Grauens" (1980) und der Actionfilm „Die Klapperschlange" (1981). Nach dem Flop mit „The Thing" dreht er die Gewaltschraube deutlich zurück, veröffentlicht 1983 die Stephen-King-Verfilmung „Christine" und ein Jahr später das zugängliche Drama „Starman". Jeff Bridges wird für seine Darstellung des gestrandeten Außerirdischen für einen Oscar nominiert.

Finanziell hat er ausgesorgt

John Carpenter bei den Dreharbeiten zu „Christine“ im Jahr 1983.
John Carpenter bei den Dreharbeiten zu „Christine" im Jahr 1983. Foto: picture alliance / Everett Collection

Carpenter ist dennoch in einem Teufelskreis angekommen. Die ausgelassene Stimmung der großen Studio-Produktion „Big Trouble in little China" (1986) ist nicht jedermanns Sache. Der ebenfalls teure „Jagd auf einen Unsichtbaren" (1994) hat zwar ansehnliche Spezialeffekte, aber mit Chevy Chase einen Star, der über seinen Zenit hinaus ist. Mehr Eingang in die Popkultur schafft der 1948 in New York geborene Carpenter mit günstigeren Filmen, vor allem 1988 mit dem konsumkritischen „Sie leben!". Mit „Die Mächte des Wahnsinns" kehrt er mit dem starken Sam Neill in der Hauptrolle 1994 zu alter Form zurück, bevor sein Splatterfilm „Vampire" (1998) kurz die Kassen klingeln lässt. Das desaströse Werk „Ghosts of Mars" kann 2001 weder Kritik noch hartgesottene Fans überzeugen. Es bleibt bis 2010 sein letzter Film. Doch „The Ward – Die Station" ist auch nicht viel besser. Hervorzuheben sind seine beiden Beiträge für die TV-Splatter-Reihe „Masters of Horror", die 2005 und 2006 zu den besten Episoden ihrer jeweiligen Staffel zählen.

Ansonsten lebt er zumindest finanziell relativ gut vom Ruhm vergangener Tage. Immer wieder gibt er seine Zustimmung zu Remakes seiner Werke. Doch weder die Neuinterpretation von „The Fog" noch „Das Ende – Assault on Precinct 13" überzeugen. Alle paar Jahre kommt eine Fortsetzung, ein Reboot oder ein Remake eines „Halloween"-Filmes in die Kinos. So auch am 25. Oktober dieses Jahres. Dass diesmal Rob Zombie nach seinen zwei kläglich gescheiterten Remakes vom Hof gejagt wurde und auf dem Regiestuhl stattdessen David Gordon Green („Ananas Express") Platz nahm, lässt zumindest auf gute Unterhaltung hoffen. Carpenter selbst sagt in einem Interview mit dem „Guardian" mit dem gewohnten Augenzwinkern: „Ich liebe Remakes, wenn ich bezahlt werde. Wenn nicht, interessiert es mich nicht. Ich bin ein alter Kerl und brauche Geld. Schickt mir Geld."

Als Musiker auf Tour

Überhaupt „Halloween": Die markante Titelmelodie hat längst ihren Platz in der Popkultur sicher. Sie zeugt auch von Carpenters zweitem Standbein – denn bis auf wenige Ausnahmen hat der Regisseur zu seinen Werken die Musik stets selbst komponiert. Seit 2014 hat er konsequenterweise drei Studioalben herausgebracht. Die Kompositionen auf „Lost Themes" und „Lost Themes II" (2016) klingen tatsächlich wie verloren gegangene Titelstücke aus seinen Filmen: Sphärische Synthesizer-Klänge, durchsetzt mit treibenden Rhythmus-Sektionen, einigen rockigen Gitarren-Riffs und ebenso düsteren wie eingängigen Melodien. Mit „Anthology: Movie Themes 1974-1998" legt er 2017 eine Art „Best of" seiner großen Zeit vor.

Das Musizieren macht ihm offensichtlich weit mehr Spaß, als sich weiterhin mit dem Hollywood-System herumzuschlagen. Denn mit dem musikalischen Gepäck aus 40 Jahren tritt er immer wieder live auf und ist derzeit auch auf Tour. Für diese zweite Karriere musste er sein Lampenfieber überwinden, wie er dem „Guardian" erzählt: „In den 60ern spielte ich Theater in der Highschool. Ich vergaß meinen Text vor der gesamten Schule." So begann also die Angst des großen Angstmachers.

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