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WAS MACHT EIGENTLICH...

Shirley Bassey war Zuschauerin des Wimbledon-Turniers 2018.
Foto: picture alliance / empics

… Shirley Bassey?

„Goldfinger", „Diamonds are forever" und „Moonraker" machten sie zwischen 1964 und 1979 zum Weltstar. Für ihre Karriere wurde sie 1999 mit dem englischen Titel „Dame" ausgezeichnet. Die heute 82-Jährige hat sich 2018 vom Tournee-Geschäft verabschiedet.

Wenn Totgesagte wirklich länger leben, hätte Shirley Bassey noch ein paar Jährchen vor sich. Ex-Manfred-Mann-Sänger Mike d’Abo hatte vor einigen Monaten im Netz mitgeteilt, dass er eine Nachricht vom Tod Basseys erhalten habe. „I’m alive and kicking", mit diesem Simple Minds-Zitat entzog die Sängerin daraufhin dem Gerücht schnell den Boden. Davon, dass sie nach wie vor gut drauf ist und erheblich jünger als 81 aussieht, konnten sich ihre Fans zuletzt öfters überzeugen. Mit dem „Hall of Fame Award" und dem „Nordoff Robbins O2 Silver Clef Award" für ihr Lebenswerk komplettierte sie vor ein paar Monaten ihre umfangreiche Titel-Sammlung. Beim Wimbledon-Tennisturnier 2018 saß Bassey am 12. Juli interessiert in der königlichen Loge und konnte am Tag darauf stolz verkünden, dass sie zum ersten Mal Urgroßmutter geworden ist. Bei Twitter veröffentlichte sie ein Foto mit ihr, Tochter, Enkel und Urenkelin: „Ich bin glücklich, dass ich nun Urgroßmutter eines wunderschönen kleinen Mädchens bin." Das war an Bassey-Highlights 2018 noch nicht alles: So wurde am 17. Mai ein Zug der Snowdon Mountain Railway Line auf ihren Namen getauft. Außerdem durfte sie im Juni den Classic Brit Award an Andrew Lloyd Webber überreichen. Sogar auf der Bühne hat Bassey in diesem Jahr noch gestanden, als sie zu Ehren des 2017 verstorbenen US-Moderators Bruce Forsyth einen seiner Lieblingssongs performte.

Shirley Bassey wurde in den 60er-Jahren zum Star. Privat musste sie einige Schicksalsschläge verkraften.
Shirley Bassey wurde in den 60er-Jahren zum Star. Privat musste sie einige Schicksalsschläge verkraften. - Foto: Picture-Alliance / Photoshot

1956 erschien ihre erste Single

Da die um die Musik verdiente Bassey im englischen Königshaus ein paar langjährige Bewunderer hat, wurde sie 1999 von der Queen zur „Dame Commander of the Order of the British Empire" ernannt. Sowohl beim 50- und 60-jährigen Thronjubiläum (2012) als auch beim 90. Geburtstag der Monarchin 2016 steuerte Bassey ihren Bond-Song „Diamonds are forever" zu den Feierlichkeiten bei. Und seit ihrem 1997 mit der Band Propellerhead produzierten Nummer-eins-­Tanzmusikhit „History Repeating" kommt Bassey auch bei den jungen Royals gut an, vor allem bei den Prinzen William und Harry.

Begonnen hatte Basseys Karriere 1951 mit kleinen Auftritten in Pubs ihrer Heimat, wo sie 1955 von einem Agenten entdeckt worden war, der sie zum Star aufbauen wollte. Erster Meilenstein war der TV-Auftritt in der Al-Read-Revue „Such is life", der Bassey einen Plattenvertrag einbrachte. 1956 erschien ihre erste Single „Burn my candle", der gecoverte Nachfolger „Banana Boat Song" kam auf Patz acht der englischen Charts. Ganz an die Spitze schafften es 1959 „As I love you" und „Kiss me, Honey, Honey, kiss me". 1960 erreichte Bassey mit „As long as he needs me" Chartplatz zwei, bevor sie zwischen 1964 und 1979 mit drei James-Bond-Titelsongs ihren Weltruhm begründete. Beinahe wären es sogar vier Bond-Songs geworden: Der Song „Mr. Kiss Kiss Bang Bang" für „Feuerball" (1965) war bereits aufgenommen, wurde aber kurzfristig durch „Thunderball" von Tom Jones ersetzt. Der Filmverleih hatte verlangt, dass der Songtitel dem (englischen) Filmtitel entsprechen soll.

In der Folge veröffentlichte sie in unregelmäßigen Abständen immer wieder Singles und Alben, oft bei kleinen unabhängigen Plattenfirmen, die in den Charts aber nur mäßig erfolgreich waren. Tourneen und Auftritte bei Musikfestivals führten sie um die halbe Welt. Häufig sang Bassey auch als Stargast bei Galas und Feierlichkeiten der königlichen Familie oder politischer Prominenz wie Michail Gorbatschow (2011). Auch das Fernsehen trug ihrer Popularität Rechnung: 1995 und 2006 stand sie im Mittelpunkt der Fernsehshows „Audiances with Shirley Bassey". 2011 verfilmte die BBC Basseys Karriere in dem Doku-Drama „Shirley" und zeigte 2016 über sie eine 60-minütige Dokumentation. Anlässlich ihres 50-jährigen Bühnenjubiläums erschien 2003 die CD „Thank you for the years", die in den Top 20 landete. Basseys Album „Get the Party started" stieg 2007 sogar bis auf Platz sieben der britischen Album-Charts. Gleichzeitig platzierte sich auch ihre Single „The Living Tree" in England in den Top 40. Es folgten noch die Alben „The Performance" (2009) und zuletzt 2014 „Hello like before". Bassey wurde 2004 in die Top Ten der größten dunkelhäutigen Briten gewählt und 2016 in die Liste der 50 größten Waliser aller Zeiten aufgenommen. Die Sängerin, deren Biografie „Diamond Diva" 2008 erschien, hat eine Stiftung zugunsten des Royal Welsh College of Music and Drama gegründet, für die sie unter anderem ihre Bühnenkleidung für über 500.000 Dollar versteigern ließ.

Tochter beging Selbstmord

Zurückblickend auf ihre Karriere zieht die heute allein lebende Bassey ein ernüchterndes Fazit: Ihr Glück habe sie nur in der Musik gefunden, während das Privatleben zu kurz gekommen sei. Ihr Erfolg habe sie letztlich von ihrer Familie getrennt. Zudem hatte sie einige private Rückschläge zu verkraften: Ihr erster Mann starb an einer Drogen-Überdosis und ihre jüngere Tochter Samantha beging mit 21 Jahren Selbstmord. Bassey hatte immer am Freitod gezweifelt, aber 2010 konnte auch nach erneuten Ermittlungen der Polizei kein Verbrechen nachgewiesen werden. Mit ihrem Sohn Mark konnte Bassey sich nach langen Jahren des Streits erst 2009 wieder versöhnen. Umso glücklicher ist sie daher über die regelmäßigen Kontakte zu ihrer älteren Tochter Sharon, deren drei Söhnen und ihrer sechs Monate alten ersten Urenkelin.

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