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WAS MACHT EIGENTLICH...

Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler in den 60er-Jahren. Sie waren nur auf dem Eis ein Paar
Foto: picture alliance / United Archives / Pilz

… Hans-Jürgen Bäumler?

Mit Marika Kilius bildete er in den 60ern das deutsche Eislauf-Traumpaar. Danach war er als TV-Moderator, Schlagersänger und Schauspieler erfolgreich. 2018 zog sich der 77-Jährige zurück. In seinem Haus an der Côte d’Azur findet er bei Gartenarbeit seine Erfüllung.

Wenn es so weitergeht wie im Moment, bin ich mit meinem Leben sehr zufrieden!", betont Hans-Jürgen Bäumler im Gespräch mit FORUM. „Mir geht es gut, ich lebe in einer sehr schönen Ecke, habe eine wunderbare Frau und mit zwei wunderbaren Söhnen und vier Enkeln mein familienpolitisches Soll erfüllt." Schon seit einigen Jahren lebt der frühere Eiskunstlauf-Weltmeister in Südfrankreich in der Nähe von Nizza und hat mit der früheren Sportszene weitgehend abgeschlossen. Nur mit Marika Kilius verbinde ihn bis heute eine besondere Magie. „Alles hat seine Zeit, und der Erfolg mit Marika war einfach fantastisch und ist bei vielen Menschen bis heute unvergessen." Trotzdem ebbe auch ein solcher Erfolg mit der Zeit ab. „Ich glaube, in unserem Heimat-Eisstadion in Garmisch hängt nicht mal mehr ein Foto von uns." Als Bäumler sich jedoch vor einiger Zeit zu einem Mini-Auftritt auf dem Eis überreden ließ, zeigten minutenlange Ovationen, dass „die Menschen uns auch nach 50 Jahren noch nicht vergessen haben". Eine Arbeit als Trainer oder Verbandsfunktionär war für Bäumler nach Karriereende keine Option. „In den Verbänden waren zu viele Leute unterwegs, die wenig Ahnung vom Eislaufen hatten. Und wen hätte ich als Trainer trainieren sollen? Es gab kaum Nachwuchs, keine Leistungszentren, und sowohl das Training als auch das Drumherum waren viel weniger professionell als heute", zeigt Bäumler sich kritisch. Für den Weltmeistertitel hätten Kilius und er damals gerade mal 150 Mark bekommen „und ein gutes Dutzend Brieföffner". Weil zu viel Putzarbeit damit verbunden war, bewahrt Bäumler seine vielen Pokale inzwischen in einer Kiste im Keller auf. „Meine WM- und EM-Goldmedaillen und die beiden olympischen Silbermedaillen haben aber einen Ehrenplatz im Haus." Stolz ist er darauf, dass die Bundesrepublik ihm das Silberne Lorbeerblatt verliehen hat und er 2011 in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen wurde.

Platzierungen in den Charts

Der frühere Eiskunstlauf-Weltmeister Hans-Jürgen Bäumler
Der frühere Eiskunstlauf-Weltmeister Hans-Jürgen Bäumler - Foto: imago / Nordphoto

Hans-Jürgen Bäumler hatte sich rechtzeitig weitere Standbeine geschaffen, die ihm den Abschied vom Eiskunstlauf erleichtert haben. Ein gutes Dutzend Schlagerplatten sorgten zwischen 1964 und 1976 für ganz ordentliche Chartplatzierungen. „Wunderschönes fremdes Mädchen" und das Kilius-Duett „Honeymoon in St. Tropez" landeten 1964 sogar auf Platz eins und hielten sich wochenlang in den Hitlisten. „Als Schlagersänger habe ich sogar den Bronzenen Löwen von Radio Luxemburg gewonnen", erzählt Bäumler, der seinen heutigen Musikgeschmack mit „alles, was gut ist" beschreibt. „Das kann durchaus auch ein deutscher Schlager sein, der über Tralala hinausgeht. Helene Fischer beispielsweise ist internationales Top-Niveau."

Auch als Quiz-Moderator und Schauspieler hat Bäumler Karriere gemacht und bis zuletzt auf der Bühne viele Erfolge gefeiert. „Viele wissen gar nicht, dass ich eine richtige Schauspielausbildung absolviert habe, sonst hätte ich mich in der Branche nie durchsetzen können." Ende 2018 hat er sich jedoch vom Theaterpublikum für immer verabschiedet. Mit „Kerle im Herbst" hatte er in Köln und München für volle Häuser gesorgt und wurde jeden Abend mit Standing Ovations gefeiert. „Da habe ich mir gesagt: Ich habe auch hier alles erreicht, was möglich war. Es gibt keine Steigerung mehr. Ich wollte nicht weitermachen, bis die Leute fragen: Warum tritt der immer noch auf? Ich will, jetzt wo ich ein alter Sack bin, keinen alten Sack mehr spielen", begründet er gegenüber FORUM seinen Rückzug. Im März 2018 war er aber dann trotzdem noch mal in zwei Folgen der bayerischen Kult-Vorabendserie „Dahoam is dahoam" zu sehen. „Endlich konnte ich mal wieder ein bisschen Bayerisch sprechen."

„Froh, wenn ich zu Hause bin"

Der Sport ist für Bäumler heute weit in den Hintergrund gerückt. „Ich bin keiner, der durch den Wald joggt und sich in Fitnessstudios herumquält." Viel lieber arbeite er den ganzen Tag in seinem großen Garten. „Da sehe ich abends genau was ich geschafft habe. Und wenn ich dann 15 Meter Hecke geschnitten habe, erfüllt mich das mit Stolz. Wenn ich dabei drei T-Shirts durchgeschwitzt habe, brauche ich mich nicht noch an Fitnessgeräten auszutoben." Ohnehin habe er von den vielen Hebefiguren auf dem Eis heute ein paar Probleme mit dem Rücken. Bäumlers einziges Hobby ist sein mediterraner Garten. Das Reisen, Lieblingsbeschäftigung vieler Senioren, ist nicht seine Sache. „Vom Unterwegssein habe ich die Nase voll. Ich bin so viel im Tourneebus durch die Welt getourt und musste jeden Abend in einem anderen Hotel übernachten. Deshalb bin ich jetzt froh, wenn ich zu Hause bleiben kann." Öffentliche Auftritte vermisst er nicht, weil er dies jahrzehntelang zur Genüge gehabt habe. „Wenn es hier an der CÔte d’Azur mal ganz heftig stürmt und regnet, dann prasselt es so richtig auf meinem Dach. Dann stelle ich mir manchmal vor, das wäre Applaus und verbeuge mich", scherzt Bäumler, der mit sich und seinem Leben im Reinen zu sein scheint.

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