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WAS MACHT EIGENTLICH...

Uschi Disl im Jahr 2003 beim Langlauf-Sprint-Weltcup in Düsseldorf, wo sie den vierten Platz belegte
Foto: picture-alliance / dpa / dpaweb

… Uschi Disl?

Mit fünf Olympia-Teilnahmen, zwei Gold- und sieben weiteren Medaillen sowie acht WM-Titeln gehört sie zu den weltweit erfolgreichsten Biathletinnen. Heute arbeitet die 49-Jährige im schwedischen Mora für einen Skiwachshersteller.

Mit Biathlon habe ich gleich den richtigen Job gefunden. Mit einem Bürojob wäre ich nicht glücklich geworden", blickt Uschi Disl in einem „Eurosport"-Interview auf ihre erfolgreiche Karriere zurück. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Bad Tölzerin in den 90er- und Nuller-Jahren maßgeblich an der Popularität des Biathlon in Deutschland beteiligt war und so auch die Erfolge ihrer prominenten Nachfolgerinnen Kati Wilhelm, Magdalene Neuner, Andrea Henkel oder Laura Dahlmeier zumindest mitinitiiert hat. Bei fünf Olympischen Spielen zwischen 1992 (Damen-Biathlon erstmals olympisch) und 2006 gewann Disl zweimal Gold, viermal Silber und dreimal Bronze. Bei Weltmeisterschaften errang sie 19 Medaillen, davon zweimal Einzel- und sechsmal Staffelgold. Im Weltcup werden ihre 30 Siege bisher nur von Magdalena Forsberg (42), Magdalena Neuner (34) und Darja Domratschewa (31) übertroffen. Für ihre Leistungen wurde die Bundesgrenzschutzbeamtin Disl 2005 zur Sportlerin des Jahres gewählt und mit dem „Bambi" (2005), dem Bayerischen Sportpreis (2003) und dem Bayerischen Verdienstorden (2006) ausgezeichnet.

Heute arbeitet die 49-Jährige im schwedischen Mora für einen Skiwachshersteller
Die 49-Jährige arbeitet heute im schwedischen Mora für einen Skiwachshersteller - Foto: picture alliance / dpa

„Doping ist Lug und Betrug"

Als der deutsche Biathlon-Star der vergangenen Jahre, Laura Dahlmeier, sich 2019 vom Wettkampfsport zurückzog, zeigte Disl Verständnis, dass die jüngere Kollegin nach zwei Jahrzehnten Leistungssport mal etwas anderes ausprobieren wollte. Obwohl der Rückzug dieses Ausnahmentalents für die Sportart ein herber Verlust sei. „Ich hätte aber in ihrem Alter nicht aufhören wollen, denn da fing meine sportliche Karriere erst richtig an", schrieb sie im Vorjahr in ihrer Internet-Kolumne bei „T-Online". Bei der bevorstehenden WM im italienischen Antholz (13. bis 23. Februar) zählt Disl die deutschen Läuferinnen in der Staffel zum Favoritenkreis, traut ihnen aber auch in Einzelwettbewerben durchaus Chancen zu. Vor allem setzt sie auf Denise Herrmann, die Mitte Januar gerade ihren ersten Weltcupsieg eingefahren hat. „Auch bei der Weltmeisterschaft im Februar werden von ihr einige Medaillen kommen." Bei den Männern gehört ihrer Meinung nach vor allem Arnd Peiffer zu den WM-Favoriten.

Mit Sorge verfolgt Disl die Doping-Probleme im Leistungssport. Im Deutschlandfunk zeigte sie sich vor ein paar Monaten aber überzeugt, dass Biathlon immer noch sauber und kein deutscher Biathlet betroffen ist. „Das wäre schlecht für den gesamten Sport. Ich bin immer noch überzeugt, dass Biathlon sehr sauber ist, das nicht sehr viel gedopt wird. Doping ist für mich Lug und Betrug. Ich finde es traurig, dass es trotzdem immer wieder vorkommt." Disl spricht sich für eine Verschärfung der Gesetze und lebenslange Sperren für Dopingsünder aus. Sie selbst sei nie in Versuchung gebracht worden zu dopen, habe sich allerdings 2008 mit einigen Mannschaftskameradinnen gegen anonym erhobene Vorwürfe wehren müssen, in Wien mit illegalen Substanzen in Berührung gekommen zu sein. „Ich kann sagen: Ich war in meinem ganzen Leben noch nie in Wien. Ich habe ein gutes Gewissen", betonte sie 2019 bei Deutschlandfunk.

Nach ihrer Karriere arbeitete Disl von 2007 bis 2009 bei Damen-Biathlon-Übertragungen als TV-Expertin für die ARD. Außerdem versuchte sie, als Vortragsrednerin bei Firmenveranstaltungen ihre Erfahrungen weiterzugeben.

Vor einigen Jahren zog sie dann mit ihrem Lebensgefährten Thomas Söderberg, der für das norwegische Ski-Team als Techniker tätig ist, nach Mora in Schweden. Dort betreibt sie die Vertretung des Skiwachs-Herstellers HWK. Zusätzlich ist sie als Botschafterin der Firma Viessman tätig. In einer monatlichen Kolumne bei „T-Online" nimmt Disl seitdem öffentlich Stellung zu aktuellen Themen ihrer Sportart.

Nach wie vor besucht sie mit ihren Kindern Hanna und Tobias sehr oft ihre Eltern in ihrem Heimatdorf Großeglsee bei Dietramszell, weil sie nach eigenen Aussagen „nicht auf Bayern, Berge, Brezn" verzichten kann. Den Besuch im Januar dieses Jahres nutzte sie auch noch zu einem „netten Ratsch mit meinen Biathlon-Mädels", wie sie jetzt auf Facebook verriet.

Kann nicht auf Berge verzichten

2016 nahm Disl an der Pro7-Völkerballmeisterschaft und an den Vox-Sendungen „Ewige Helden" und „Die Superolympionikin" teil, wo sie gegen Panagiotta Petridou im Gewichtheben antrat, teil. Seit Längerem schon engagiert sich Disl für benachteiligte Kinder und fungiert als Botschafterin des Projekts „Right to Play". So hat sie im Vorjahr bei einem Biathlon-Erlebnistag rund 60 Teilnehmer auf spielerische Art mit den Grundlagen ihrer Sportart, dem Langlauf und dem Schießen, vertraut gemacht. Nach einem Staffelwettbewerb konnte Disl den Siegern ihre Medaillen überreichen und ihnen als Überraschung auch die eigenen Goldmedaillen präsentieren.

Mit den Teilnahmegebühren und Spenden können nun bessere Zukunftsperspektiven für Kinder geschaffen werden.

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