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WAS MACHT EIGENTLICH...

Mit seinem „Tatort“-Kollegen Manfred Krug verband Charles Brauer eine enge
Foto: picture alliance / United Archives | United Archives / kpa

… Charles Brauer?

Als Sohn in der Fernsehserie „Familie Schölermann" be­gann 1960 seine Bildschirm-Karriere, die er ab 1986 lange als „Tatort"-Kommissar Peter Brock­möller fort­setzte. Seitdem war er in vielen TV-Produktionen und an Theatern zu sehen. Heute ist er als Synchron- und Hör­buch­­­sprecher tätig und geht mit literarischen Lesungen auf Tour.

Kürzlich stand Charles Brauer in der NDR-Doku-Reihe „Unsere Geschichte – 125 Jahre Nord-Ostsee-Kanal" als Otto von Bismarck vor der Fernsehkamera. Als TV-Schauspieler hat er zweimal Geschichte geschrieben: 1960 spielte er 111 Folgen lang Sohn Heinz in der ersten deutschen TV-Familienserie „Familie Schölermann". Zwischen 1986 und 2001 bildete er mit Manfred Krug das singende „Tatort"-Kommissaren-Duo Stoever/Brockmöller. Dafür erhileten sie im letzten Jahr die Goldene Kamera und eine Goldene Schallplatte. An seinen verstorbenen Kollegen denkt Brauer auch heute noch sehr oft: „Mit Dankbarkeit und all den Gefühlen, die man empfindet, einen Freund gefunden zu haben, der nun leider nicht mehr da ist", sagt er der dpa. Deshalb hat Brauer 2017 für die CD „Manfred Krug – seine Lieder" auch das Duett mit Bill Ramsey „Ein Lied mit einem Ton" beigesteuert.

Er leiht Stars seine Stimme

Heute ist Charles Brauer als Synchron- und Hör­buch­­­sprecher tätig
Heute ist Charles Brauer als Synchron- und Hör­buch­­­sprecher tätig - Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Matthias Wehnert/Geisler-Fotopress

Brauer, in den 50er-Jahren einer der ersten deutschen Fernsehstars, wurde vor allem durch seine vielen Serien-Rollen bekannt, neben den „Schölermanns" und den Hamburger „Tatorten" wären da vor allem „Unser Lehrer Dr. Specht" zu nennen, wo er von 1992 bis 1995 in 29 Folgen den Schuldirektor Julius Hartlaub spielte, sowie die Familienserie „Samt und Seide", in der er zwischen 2000 und 2005 113-mal als Textilunternehmer Wilhelm Althofer zu sehen war. Aber auch in vielen anderen Fernsehserien konnte Brauer sein schauspielerisches Können zeigen, das er zuvor an bekannten deutschen Theaterbühnen erworben hat. „Ich hatte das Glück, mit vielen sehr guten und unterschiedlichen Regisseuren arbeiten zu dürfen. Und von allen habe ich gelernt", betont er. Dennoch hebt er seinen ersten Intendanten Gustaf Gründgens hervor, weil der ihn in seinen 20 Jahren am Deutschen Schauspielhaus Hamburg besonders geprägt habe. Auch als Fernsehstar stand Brauer weiter regelmäßig auf der Theaterbühne: mehrere Jahre in Essen (1997-2000), Bochum (2007-2009) und vor allem am Hamburger Ernst-Deutsch-Theater (2010-2013 und zuletzt 2018 in „Heisenberg"). 2016 war er auch bei den Salzburger Festspielen im Shakespeare-Stück „Der Sturm" zu erleben.

Auf dem Bildschirm ist Brauer heute nur noch ein seltener Gast. Letzte Einsätze – außer der erwähnten Bismarck-Rolle – waren 2018 in „Katie Fforde – Mama allein zu Haus" und 2019 in einer Gastrolle der Krimiserie „Großstadtrevier – Duell auf der Rennbahn". Seine letzte Kinorolle spielte der Berliner 2017 in „Das letzte Mahl" als Maler Max Liebermann. Schon seit 1964 hat Brauer sich auch als Synchronsprecher einen Namen gemacht und bekannten Stars wie David McCallum („Farm der Verfluchten", 1957), Donald Sutherland („Der große Eisenbahnraub", 1979) oder Roy Scheider („In der Stille der Nacht", 1982) seine Stimme geliehen. In jüngerer Zeit liest Brauer jedoch vor allem Hörbücher ein. So ist er seit zwei Jahrzehnten deutscher „Stammleser" sämtlicher Vertonungen der Krimi-Bestseller von John Grisham: Anfang des Jahres hat er den Band „Die Wächter" eingelesen und gleich den nächsten, „Das Manuskript" in Angriff genommen, der ab September im Handel erhältlich ist. Es ist bereits Brauers 24. Grisham-Hörbuch. Der Bestsellerautor hat sich bei ihm kürzlich für seinen Lese-Einsatz persönlich bedankt und sich eine weitere Zusammenarbeit gewünscht: „Ich schreibe weiter – und Sie lesen weiter."

Brauer lebt heute mit seiner zweiten Frau, der Schweizer Bühnenbildnerin Lilot Hegi, in einem kleinen Ort bei Basel und fühlt sich in der Schweiz richtig wohl. Es sei ein schönes Land, dessen Bürger viel erreicht hätten, wie etwa eine gut funktionierende Altersversorgung und Gesundheitspflege: „Hier beschränkt sich der Einfluss der Einwohner nicht auf das vierjährliche Wahlritual – sie haben mehr Einfluss als anderswo", betont Brauer in der „Süddeutschen Zeitung". Die Corona-Zeit nutzt der Schauspieler, um „befriedigende Dinge zu erledigen, die lange aufgeschoben waren". Verglichen mit dem Elend, das Corona für viele Menschen gebracht habe, gehe es ihm sehr gut. Mehr Sorgen macht er sich um die Zukunft der Welt: „Früher war wohl wirklich auch nix besser. Aber dass wir alle und die politisch Verantwortlichen überall es nicht schaffen, die Armut und den Hunger zu bekämpfen und zu besiegen, ist deprimierend und schlimm", empört er sich.

Fühlt sich wohl in der Schweiz

Die Arbeit vergisst Brauer, der seinen 85. Geburtstag im Juli mit Frau und jüngstem Sohn bei einer Bergtour feierte, auch in der beschaulichen Schweiz nicht. Er musste zwar in den vergangenen Monaten einige seiner Lesungen absagen, kann sie inzwischen aber mit organisatorischen Einschränkungen wieder durchführen. Auch dabei zeigt Brauer die Verbundenheit mit seinem früheren „Tatort"-Kollegen: Als nächste Termine stehen drei Auftritte im Dresdner Kabarett „Herkuleskeule" auf dem Programm, wo er Ende August unter dem Titel „Schweinegezadder" Kurzgeschichten von Manfred Krug vortragen wird. Danach soll es im Oktober mit literarischen Texten von Erich Kästner weitergehen. Auch für 2021 hat sein Lese-Terminkalender schon etliche Einträge.

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