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WAS MACHT EIGENTLICH...

Bob Beamon springt 1968 in Mexiko die sensa­tionellen 8,90 Meter
Foto: picture-alliance / Werek

… Bob Beamon?

Bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko sprang er mit 8,90 Meter einen Fabelweltrekord, der 23 Jahre Bestand hatte. Bis zum Karriereende 1973 erreichte er nie wieder ähnliche Weiten. Der studierte Soziologe arbeitete danach unter anderem als Sozialarbeiter und Museumsleiter und entwickelte Uni-Sportförderprogramme. Heute leitet der 74-Jährige sein eigenes Medienunternehmen.

Als Bob Beamon 1968 gleich bei seinem ersten Versuch im olympischen Weitsprungwettbewerb bei 8,90 Meter landete, reichte zuerst die Messvorrichtung nicht aus, dann dauerte es über eine Viertelstunde bis man das sensationelle Ergebnis bekannt gab: Beamon hatte den bisherigen Weltrekord gleich um 55 Zentimeter überboten und sollte bis 1991 Inhaber des Weltrekordes bleiben. Seither sind nur Carl Lewis (8,91 Meter) und Mike Powell (8,95 Meter), beide 1991, weiter gesprungen. Beamons damalige Fabelweite hat aber bis heute Bestand als Olympiarekord. „Es war einfach ein unglaublicher Augenblick und ist zur rechten Zeit am rechten Ort passiert", erinnert sich Beamon 2016 im „Spiegel"-Web-Magazin „einestages". Dass die Fachwelt damals oft von einem „Glückssprung" sprach, kümmert ihn nicht: „Ich habe kein Problem damit."

Soziales Engagement

Bob Beamon leitet mittlerweile sein eigenes Medienunternehmen
Bob Beamon leitet mittlerweile sein eigenes Medienunternehmen - Foto: picture alliance / Everett Collection

Ob er mit seiner Aussage, am Vorabend des Rekordsprunges noch Sex und einige Tequila gehabt zu haben, nur an seiner Legende stricken will, lässt sich wohl nicht verifizieren. Aber auch so war der 8,90-Meter-Satz für Beamon ein Sprung ins Glück, auch wenn er es nicht sofort so empfand: „Jetzt bin ich stolz auf den perfekten Sprung. Wenn ich nach ihm gefragt werde, jubelt meine Seele und sie wird immer jubeln", schrieb er 1999 in seiner Autobiografie. Da er nach 1968 nicht mehr an seine frühere Rekordweite anknüpfen konnte und auch ein Ausflug ins Basketball-Profigeschäft wenig erfolgreich war, schloss Beamon ein Universitätsstudium der Soziologie und Anthropologie ab und wandte sich der Sozialarbeit zu. Er kümmerte sich um gefährdete Jugendliche und universitäre Sportförderprogramme, machte Abstecher als Direktor eines Kunstmuseums und als Leiter einer Discothekenkette und wurde schließlich 1996 Chef seines eigenen Medienunternehmens Beamon Communications. An den Standorten in Florida und Las Vegas verdient er bis heute sein Geld mit Full-Service-Dienstleistungen, die von Medienberatung über Unternehmenskommunikation und Onlinemarketing bis zum Erstellen von Marktanalysen reichen. Zudem kann man Beamon auch als Gastredner für Events buchen, wo er mit den Erfahrungen seines ereignis- und abwechslungsreichen Lebens das Publikum begeistert und zur Nachahmung motiviert. Der Jahrhundertathlet hat außerdem ein eigenes Motivationsprogramm entwickelt, das er Interessierten unter der Bezeichnung „The Champion in You" anbietet. Beamon verfügt auch über eine künstlerische Ader und hat seine Zeichnungen und Grafiken bereits in Galerien ausgestellt.

Seine grafischen Designs schmücken auch eine Serie von Halstüchern und Schals, die er ebenso erfolgreich vermarktet wie eine Bekleidungs-Kollektion. Seine beruflichen Erfolge hat Beamon auch schon früh mit ehrenamtlichem sozialem Engagement verbunden: Egal ob er innerstädtische Sportwettkämpfe ausgerichtet oder Stipendien für benachteiligte Jugendliche vermittelt hat oder mit dem Erlös seiner Golf-Classic-Turniere Jugendprogramme der weltweiten Hilfsorganisation „United Way" unterstützt hat. Beamon, der den Aufstieg vom gelernten Schneider zur wohlhabenden Olympia-Ikone geschafft hat, gibt viel an die Gesellschaft zurück: „Ich habe ein ziemlich gutes Leben führen können. Ich war und bin immer noch involviert in Dinge, die das Leben von Menschen zum Positiven wenden", betont er im Web-Magazin „einestages". Er ist immer noch in der olympischen Bewegung aktiv und stolz darauf, Botschafter der Special Olympics zu sein. Als er 2018 anlässlich einer Feier zum 50-jährigen Jubiläum seines Olympiarekordes von der Stadt New York ausgezeichnet wurde, hieß es in der Laudatio: „Seine lebenslange Arbeit für junge Athleten, damit sie ihre Ziele erreichen, festigen seinen Ruf als wahrer Champion. Als Botschafter des Sports hat er daran mitgewirkt, eine neue Generation von Champions zu schaffen."

Bemüht sich, gesund zu leben

Bei einem Vergleich der olympischen Spiele früher und heute, sieht Beamon den wesentlichen Unterschied darin, dass heute die Technologie in den Vordergrund gerückt ist. Auch könnten sich heute viele Sportler ohne psychologische Betreuung gar nicht mehr richtig auf den Wettkampf fokussieren. Trotzdem gebe es immer wieder Athleten, die Herausragendes leisten, wie etwa Usain Bolt oder Michael Phelps. „Da spielt auch die Technologie eine Rolle, aber auch, wie man trainiert und auf das Leben im Allgemeinen schaut", schreibt Beamon auf seiner Website. Zum heutigen Problem „Doping" gab er sich kürzlich relativ gelassen. Seiner Meinung nach gibt es unter der Vielzahl von Athleten nur wenige, die zu unlauteren Mitteln greifen, und alle würden es hinterher bereuen. „Ich hoffe einfach, dass die Sportler die Leistungen durch eigene Fähigkeiten erzielen und nicht durch Doping."

Privat bemüht sich der seit einiger Zeit an Diabetes leidende Beamon um eine aktive Lebensweise: „Man muss immer versuchen, gesund zu bleiben." Das gelänge aber leider nicht jedem: „90 Prozent meiner Highschool-Kameraden sind inzwischen schon verstorben und nicht auf gute Weise gegangen", bedauert er auf seiner Website.

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