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WAS MACHT EIGENTLICH...

Mit Günter Netzer bildete Gerhard Delling (links) ein kongeniales Moderatoren-Duo
Foto: picture-alliance / dpa | Oliver Berg

… Gerhard Delling?

Vor allem als „Sportschau"-Moderator in der ARD und Kommentator bei internationalen Sport­veranstaltungen wurde er dem deutschen Fernseh­publikum ab 1990 bekannt. Der 62-jährige Diplom-Volkswirt hat nach seinem Rückzug als TV-Journalist 2019 auch an einem Familienroman gearbeitet: Sein Erstling „Ella & Co. KG" erscheint am 12. März im Handel.

Die meist intelligenten Frotzeleien zwischen Kommentator Gerhard Delling und seinem Co, dem Ex-Fußballstar Günter Netzer, waren beim Fernsehpublikum sehr beliebt und den TV-Juroren gleich zweimal höchste Auszeichnungen wert: Im Jahr 2000 gab es für das Duo, das vor der Kamera trotz privater Freundschaft das distanzierte „Sie" kultivierte, den renommierten Grimme-Preis und acht Jahre später den Medienpreis für Sprachkultur. Auch heute noch, zwei Jahre nach Dellings Rückzug vom TV-Sport, gibt es zwischen den beiden Sportgrößen regelmäßigen Kontakt. Das „Sie" haben sie beibehalten, weil „irgendwann mal vergessen wurde, das Du anzubieten". „Ich habe in Günter Netzer einen Freund fürs Leben gefunden. Zwischen uns herrscht großes Vertrauen", bekannte Delling im Vorjahr in der Talkshow „Kölner Treff". Dort verriet er auch erstmals, womit er sich seit seinem Rückzug bevorzugt beschäftigt: „Ich mache eine ganze Menge. Ich möchte nochmal so richtig neu gefesselt werden. Das muss nichts Hochtrabendes sein und nicht zwingend beim Fernsehen." Es scheint, als habe Delling im Schreiben das Richtige gefunden. So veröffentlicht er seit einiger Zeit eine Sportkolumne in der Regionalzeitung, bei der er als 16-Jähriger seine Journalistenkarriere begonnen hatte. Nun hat er sich auch noch als Romanautor versucht: Am 12. März wird sein Erstling „Ella & Co. KG" erscheinen. In der liebevoll gezeichneten Familiengeschichte porträtiert er seine Großmutter, die nach dem Krieg zeitweise ein Café und einen Schrotthandel betrieben hat und in den Jahren des Wirtschaftswunders zur erfolgreichen Unternehmerin aufgestiegen ist. Er habe dieses Buch mit biografischen Bezügen eher für sich selbst geschrieben: „Die Geschichte liegt mir am Herzen. Es ist weniger wichtig, dass das ein Öffentlichkeitserfolg wird."

„Ständiger Unruhegeist"

Nach seinem Rückzug als TV-Journalist hat Gerhard Delling an einem Familienroman geschrieben, der am 12. März im Buchhandel erscheint
Nach seinem Rückzug als TV-Journalist hat Gerhard Delling an einem Familienroman geschrieben, der am 12. März im Buchhandel erscheint - Foto: picture alliance / dpa / dpa-Zentralbild | Jens Kalaene

Dass Delling im Mai 2019 bei der ARD überraschend aufgehört hat, liegt nach seinen Worten auch daran, dass „die Aufgaben, die ich mir gewünscht hatte, nicht gekommen sind". Als Journalist und „ständiger Unruhegeist" wollte er nicht in Routine enden, sondern neue Formate entwickeln, nicht nur beim Sport, sondern auch im politischen und wirtschaftlichen Bereich. Einen Wechsel zum Privatfernsehen schließt er nicht aus. „Ich habe großes Interesse daran, etwas im digitalen Bereich zu tun, auch mit Bewegtbildern", sagt Delling bei tv.de. Er arbeitet an einer Fußball-App mit, bei der er sich um den Content kümmert. Daneben hat er zusammen mit seinem Schwager ein biologisch abbaubares Reinigungsmittel entwickelt: „Das Umweltthema treibt mich schon seit meiner Kindheit um." Auch im Bereich Personalcoaching ist der vielseitige Journalist tätig.

Mit seinem Alter knapp über 60 hat Delling kein richtiges Problem: Er habe weder Angst vor der Zahl noch beruhige sie ihn. Es sei eben eine Entwicklung, die auch vor ihm nicht haltmache. „Was mich wirklich hart trifft: Dass ich nach über 50 Jahren nicht mehr richtig Fußball spielen kann. Das macht mein Fußgelenk nicht mehr mit." Allerdings hat er inzwischen wieder mit „ganz sanftem" Training angefangen: „Ich schleppe mich raus in den Wald und versuche zu joggen. Besser ist aber immer, wenn ein Medium, zum Beispiel ein Ball, dabei ist."

Delling hat neben dem Journalismus und dem Sport noch eine weitere große Leidenschaft: die Musik. Er spielt begeistert Saxofon, „wenn man das spielen nennen kann". Jeden Tag übt er zumindest ein paar Minuten, obwohl bei ihm „der Weg vom Kopf zur Taste manchmal zu lang" ist.

Selfies beim Essen nerven ihn

So viel Glück wie im Beruf hat Delling mit seinen Frauen eher nicht gehabt. Nach seiner ersten geschiedenen Ehe, aus der zwei Töchter hervorgegangen sind, war er von 2003 bis zur Scheidung 2014 mit der Fernsehjournalistin Isabelle Wagner verheiratet und hat mit ihr eine weitere Tochter. Mit Wagner verbindet ihn bis heute eine Freundschaft. Eine im Mai 2019 begonnene Liaison mit einer Hamburger Society-Lady endete im Dezember 2020. Aufmerksam verfolgt Delling inzwischen die Fernsehaktivitäten seiner ältesten Tochter, der 31-jährigen Katharina, die seit gut drei Jahren London-Reporterin für RTL ist und schon viel britische Prominenz interviewt hat. Aus der Vater-Tochter-Beziehung hat sich längst ein mehr kollegiales Verhältnis entwickelt, bei dem Katharina von den langjährigen Erfahrungen ihres Vaters gern profitiert.

Delling wird noch heute oft auf der Straße von Leuten angesprochen, die mit ihm über Sport fachsimpeln wollen, was ihn keineswegs stört: „So erfahre ich Dinge, die ich sonst nicht erfahren würde", betonte er 2020 im „Kölner Treff". Nervig dagegen findet er es, im Lokal beim Essen für ein Selfie gestört zu werden. Natürlich beobachtet Delling auch aufmerksam die aktuelle Sportberichterstattung und wünscht sich da von seinen Kollegen mehr Mut: „Ich finde die Berichterstattung in Zeitung, Fernsehen und Hörfunk zum Teil sehr konformistisch. Wenn wir ehrlich sind, machen wir alle zusammen seit zehn, vielleicht sogar 20 Jahren immer das gleiche Ding", kritisierte er vor einigen Monaten in der „Gala".

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