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WAS MACHT EIGENTLICH...

Bernd Förster im Jahr 1982. 2 Jahre später musste er seine Fußball-Karriere beenden
Foto: picture-alliance / dpa / Roland Witschel
… Bernd Förster?

Vom TSV Schwarzach über Waldhof Mannheim und die Bundesligisten Bayern München, 1. FC Saarbrücken und VfB Stuttgart schaffte er den Sprung in die Fußball-Nationalelf und wurde 1980 Europameister und 1982 Vizeweltmeister. Seit dem verletzungs­bedingten Karriereende 1984 betreibt er mehrere Autowaschanlagen. Am 3. Mai wird er 65 Jahre alt.

Wirtschaftlich habe ich die Corona-Pandemie bisher gut überstanden, denn ich musste meine Anlagen nicht schließen“, blickt Ex-Nationalspieler Bernd Förster einigermaßen zufrieden auf die vergangenen zwölf Monate zurück. Zwei Jahre nach seinem Karriereende beim VfB Stuttgart hat er sich eine berufliche Existenz außerhalb des Sports aufgebaut und eröffnete in seinem heutigen Wohnort Deizisau seine erste Autowaschanlage. Im Laufe der Jahre kamen noch weitere hinzu, die er mit seinen Mitarbeitern betreibt. Inzwischen wird er dabei auch von seinem Sohn tatkräftig unterstützt. Seine Tätigkeit beschreibt der 64-jährige ehemalige Außenverteidiger des 1. FC Saarbrücken, des FC Bayern München und des VfB Stuttgart wie folgt: „Meine Aufgabe besteht vor allem in der kaufmännischen Leitung der Betriebe. Und auch wenn jetzt mein 65. Geburtstag ansteht, werde ich das weitermachen, solange ich noch fit genug bin und so viel Spaß daran habe“, blickt Förster für FORUM in die nähere Zukunft.

„Schöne Jahre in saarbrücken“

Im Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder Karlheinz, der mit ihm gemeinsam beim VfB Stuttgart und in der Nationalmannschaft spielte, hat sich Bernd Förster nach seinem Kreuzbandriss zu Beginn der Saison 1985/1986 und daraus resultierenden monatelangen Beschwerden 1986 aus dem Profigeschäft zurückgezogen. „Für mich war es effektiv zu früh. Mit 29 hätte ich noch sechs, sieben Jahre spielen können“, bedauert Förster und ist sich sicher, dass er mit den heutigen medizinischen Möglichkeiten seine Fußballkarriere damals hätte fortsetzen können. „Heute stehen die Profis nach einem Kreuzbandriss nach sechs Monaten wieder auf dem Platz, während ich damals über ein Jahr um meine Genesung gekämpft habe und dann doch aufhören musste.“ Förster hadert aber nicht damit: „Sobald Schluss ist, musst du ins ganz normale Berufsleben einsteigen, was nicht einfach ist. Dieser Übergang ist sehr lehrreich, und ich bin froh, ihn geschafft zu haben.“ Im Nachhinein sei der Zeitpunkt des Umstiegs gerade richtig gewesen, weil er ihn zu neuem Beruf und Lebensinhalt geführt hat.

 Förster Brüder Bernd (links) und Karlheinz (rechts)
 Förster Brüder Bernd (links) und Karlheinz (rechts)

Eine Tätigkeit im Fußballsport kam für Förster damals nicht in Frage. Der Trainerberuf hat ihn ebenso wenig gereizt wie eine Vereinstätigkeit, auch wenn es immer wieder diesbezügliche Anfragen gegeben habe. Durch die positive Entwicklung seiner Waschanlagen habe er zudem einfach nicht mehr die Zeit gehabt, sich auch noch in einem Sportverein zu engagieren. Dennoch nimmt Förster regen Anteil an der aktuellen Entwicklung all „seiner“ früheren Vereine, zu denen auch der 1. FC Saarbrücken gehört, wo er 1976 bis 1978 in der Bundesliga erfolgreich verteidigte. „An diese beiden schönen Jahre in Saarbrücken denke ich immer wieder gerne zurück. Ich empfand das ganze Umfeld als sehr herzlich. Wir hatten untereinander eine gute Kameradschaft und haben auch außerhalb des Sports vieles gemeinsam unternommen“, blickt Bernd Förster zurück. Heute habe sich der Profifußball davon ein gutes Stück entfernt, alles sei geschäftsmäßiger und schnelllebiger geworden. In vielerlei Hinsicht habe sich aber auch das Umfeld deutlich professionalisiert. Sein jüngerer Bruder Karlheinz als gefragter Spielervermittler, mit Stars wie Timo Werner im Portfolio, hat da einen guten Einblick. Spiele des VfB Stuttgart sieht Bernd Förster allenfalls noch ein- bis zweimal im Jahr im Stadion an, auch wenn das immer wieder eine schöne Gelegenheit zum Wiedersehen mit ehemaligen Kollegen ist. Bis vor zwei Jahren hat er auch noch in der VfB-Traditionsmannschaft gespielt, wo sich sieben-, achtmal im Jahr Stuttgarter Asse aus verschiedenen Spielergenerationen auf dem Feld und beim geselligen Hinterher gut verstanden haben. Seitdem Förster vor anderthalb Jahren ein künstliches Kniegelenk bekam, hat er seine Fußballschuhe endgültig an den Nagel gehängt. Dennoch hält er sich regelmäßig fit, vor allem an der frischen Luft: „Ich bin kein Typ, der zu Hause Sport treibt, ich muss raus in die Natur. Im Winter fahre ich öfters zum Skilanglaufen auf die Alb, ansonsten bin ich sehr viel mit meinem Mountainbike unterwegs, vor allem, seit ich wegen der Knieprobleme nicht mehr joggen kann.“ Auch sein großes Hobby Tennis musste Förster aus gesundheitlichen Gründen etwas reduzieren, steht aber immer noch relativ häufig auf dem Platz.

„Erfahrungen, die ewig bleiben“

Als die Krönung seiner Laufbahn bezeichnete Bernd Förster die 25 gemeinsamen Spiele mit dem Bruder in der A-Nationalmannschaft, mit der beide 1980 Europameister und 1982 Vize-Weltmeister wurden. „Zusammen eine Europa- oder Weltmeisterschaft zu spielen, ist das Größte, das man erreichen kann. Das sind Erfahrungen, die ewig bleiben und an die man immer wieder denkt“, verriet Bernd Förster 2019 der „Region-Neckar-Zeitung“. Das Brüderpaar sieht sich heute noch regelmäßig und wertet das intakte Familienleben als einen der Grundpfeiler der erfolgreichen Karriere. Jüngster Familienzuwachs ist Bernd Försters zweite Enkelin, die kürzlich das Licht der Welt erblickte.

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