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WAS MACHT EIGENTLICH...

Grace Jones 1985 in dem James-Bond-Film „Im Angesicht des Todes“ als knallharte May Day -
Foto: picture alliance / Everett Collection | ©United Artists/Courtesy Everett Collection
... Grace Jones?

Als Model, Sängerin und Schauspielerin sorgte sie in den 70er- und 80er-Jahren mit oft provokanten Auftritten für Aufsehen. Sie beeinflusste mit ausgefallenen Outfits das damalige Frauenbild. Der Film „Bloodlight and Bami“ zeigte 2017 das Leben der heute 73-Jährigen.

 

Grace Jones gilt als „eine der faszinierendsten Legenden der Musikgeschichte“, die laut ihres zeitweisen Lebensgefährten Jean-Paul Goude „gleichzeitig schön und grotesk“ war. Goude war damals für das neo-kubistische, androgyne Image von Jones verantwortlich. Beide definierten damit „die visuelle Landschaft der 70er- und 80er-Jahre“ und machten die Sängerin und Mode-Ikone zu einer einflussreichen Persönlichkeit, die spätere Stars wie Annie Lennox, Björk oder Lady Gaga inspirierte. Aus feministischer Sicht verschaffte Jones mit ihren ironisierenden Geschlechterstereotypen schon damals einer kritischen schwarzen und weiblichen Sichtweise öffentliche Beachtung. „Ich schätze mich nicht als Feministin ein. Ich mag keine Kategorisierungen, ich stehe immer für das Menschsein“, will sie heute ihr Engagement nicht überinterpretiert sehen. Immerhin haben namhafte Maler dieser Zeit, wie Andy Warhol oder Keith Haring, sie mehrfach als Sujet ihrer Bilder gewählt. 2020 fand in Nottingham sogar eine Kunstausstellung statt, die die „mehrgesichtige Pop-Ikone“ Grace Jones in den Mittelpunkt stellte.

Schwierige Kindheit

Die musikalischen Verdienste von Jones liegen in der Überwindung ihres anfänglichen Disco-Sounds durch jamaikanische Einflüsse, etwa die Verschmelzung von Reggae mit New Wave, Funk und Pop. Mit ihrer vier Oktaven umspannenden Stimme wechselte sie gekonnt zwischen einem monotonen Sprechgesang („Private Life“, „Walking in the Rain“) und einem opernhaften Fast-Sopran („La vie en rose“, Slave to the Rhythm“). Spektakulär und richtungsweisend waren auch ihre stilbildenden Outfits mit auffälligen Kopfbedeckungen, kantig geschnittenen Lurexanzügen, Roboter-Look und jeder Menge Glanz und Glitter. Dazu kamen betonte Wangenknochen, Lidschatten und Augenbrauen sowie meist kurz rasierte Haare: „Es ließ mich abstrakter aussehen, weniger gebunden an eine bestimmte Rasse oder ein Geschlecht oder einen Stamm“, erklärte sie 2021 dem Magazin „Vogue“. Dass Jones bis heute Einfluss hat, belegt auch die Februarausgabe der britischen „Vogue“, die die einzigartige Eleganz afrikanischer Models in den Mittelpunkt gestellt hat und sich bei den Darstellungen an einem legendären Jones-Foto der 80er-Jahre orientiert hat. Und im Juni dieses Jahres ist die Sängerin Kuratorin und Top-Act des bekannten Londoner Meltdown-Festivals.
Nach den erfolgreichen Anfangsjahren in Mode, Musik und Film legte Jones ab den 90er-Jahren eine Karrierepause ein und schaffte erst 2009 mit ihrem neuen Album „Hurricane“ und einigen Foto-Shootings ein Comeback. In dieser Zeit war sie auch Gast bei mehreren Wohltätigkeitskonzerten zugunsten der Aids-Hilfe und 2012 auch beim Konzert anlässlich des diamantenen Thronjubiläums der englischen Queen. 2014 veröffentlichte sie eine De-Luxe-Version ihres 81er-Albums „Nightclubing“ und steuerte zum Film „The Hunger Games: Mockingjay 1“ ihren Song „Original Beast“ bei. Obwohl Jones seit 2009 keine eigenen neuen Platten mehr veröffentlicht hat, gibt sie bis heute öfters noch Konzerte und arbeitet sogar an neuer Musik. In ihrer 2015 erschienenen Autobiografie „I will never write my memoirs“ gewährt sie Einblicke in ihr bewegtes Leben inklusive ihrer schwierigen Kindheit, weil sie laut „Spiegel Online“ gemerkt hat, „dass es möglich ist, Persönliches preiszugeben und trotzdem ein Geheimnis zu bewahren“. Dem tut auch eine kleine Nacktszene keinen Abbruch, denn hinter den Kulissen von Modeschauen liefen ohnehin alle meist unbekleidet herum: „Auch zu Hause bin ich geradezu eine Nudistin. Alle sehen mich ständig nackt“, verriet Jones 2018. Ein Jahr zuvor war sie in dem Video zum Song „Charger“ der britischen Band „Gorillaz“ aufgetreten und präsentierte ihren Film „Grace Jones: Bloodlight and Bami“, der ihren Alltag zwischen Wahnsinn und Familie thematisiert.

„Songs sind wie meine kinder“

Dass Jones branchenintern auch heute noch als zeitlos und cool wahrgenommen wird, führt sie darauf zurück, dass sie in der Gegenwart lebt, nichts auf Nostalgie gibt und stets nach vorne blickt: „Ich trete nicht in Retro-Shows auf, sondern bei Festivals wie ‚Afropunk´ oder ‚Wilderness´, denn da tummeln sich die jungen Leute von heute. Das ist meine Welt, nicht die Erinnerung an irgendwas“, betont sie bei „Spiegel Online“. Zu ihren alten Songs hat sie allerdings immer noch ein positives Verhältnis. „Meine Songs sind wie meine wunderschönen Kinder, denen kann ich nie überdrüssig werden.“ Bei ihren Auftritten wandele sie die Titel aber meist ab, um für Abwechslung zu sorgen: „Wenn meine Stimme mal nicht so fit ist, kann es schon mal vorkommen, dass ich einen Song spontan rappe.“ Für ihre körperliche Fitness sorgt die frühere Leichtathletin, die durch ihren Sohn Paolo (42) inzwischen auch Großmutter ist, vor allem mit regelmäßigem Schwimmen: „Am liebsten im Meer. Zwei Stunden im Ozean tun Wunder fürs Gleichgewicht.“ Wegen ihrer Verdienste um ihr Heimatland Jamaika verlieh ihr die dortige Regierung im Oktober 2018 den Jamaika-Orden.

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