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WAS MACHT EIGENTLICH...

Michael Preute verfasst unter seinem Pseudonym Jacques Berndorf die Eifel-Krimis.
Foto: picture alliance

… Jacques Berndorf?

Die Eifel-Krimis von Jacques Berndorf fesseln seit Jahrzehnten Millionen von Lesern. Nach einem spannenden, aber auch sorgenreichen Leben genießt der 82-jährige Michael Preute seinen Lebensabend – in der Eifel.

Ich sitze oft hier, gucke in den Garten und denke, dass ich unglaubliches Schwein habe, an so einem friedlichen Ort zu enden! Das sah jahrzentlang nicht so aus", sinniert Michal Preute. Der 82-Jährige blickt von seiner Terrasse hinter seinem Haus im Eifel-Örtchen Dreis-Brück auf die blühende Pracht.

Bekannter ist der Journalist und Autor unter seinem Belletristik-Pseudonym. „Ich bin in den letzten Jahrzehnten zu Jacques Berndorf geworden. Ich kann eigentlich nix dafür". Preute lacht und fügt hinzu: „sozusagen schuldlos". Seine Eifel-Krimis haben eine Millionen-Leserschaft.

Preute hat ein bewegtes Leben hinter sich, erst als Journalist und dann als Schriftsteller mit vielen Höhen und Tiefen. 1936 in Duisburg geboren, wuchs er als Sohn eines Ingenieurs auf, der beim Stahlkonzern Klöckner arbeitete. Nach dem Abi wollte Preute Kinderarzt werden, entschied sich aber anders und wurde – zum Entsetzen seines Vaters Journalist. Während seines Volontariats beim „Duisburger Generalanzeiger" lernte er ab 1958 das Handwerk „von der Pieke auf". Bei der kleinen Zeitung war er nur kurz Redakteur, bis das Blatt von der „Westdeutschen Allgemeinen" geschluckt wurde. Anschließend arbeitete er bei der „Neuen Ruhr Zeitung", bei der „Rheinischen Post" und ab 1968 bei der Münchener Illustrierten „Quick".

Als Preute im selben Jahr über den Einmarsch der sowjetischen Armee in der Tschechoslowakei berichten wollte, wurde er verhaftet. Weil sein Chefredakteur ihn in seinen Augen im Knast lange hatte schmoren lassen, kündigte er und arbeitete fortan frei, vor allem für die Nachrichtenmagazine „Stern" und „Spiegel". Recherchen führten ihn unter anderem nach Vietnam. Einerseits denkt er gern an die Reisen zurück. Andererseits ärgerte ihn, was die Magazine daraus machten. „Kein Schwein wollte drucken, was ich schrieb. In der Regel war das aber die Schreibe eines Vollblutidioten, der hier saß, keine Ahnung hatte. Es waren wohlgestaltete Sätze voller Sympathie für die Amerikaner." Später schrieb Preute sozialkritische Artikel und Sachbücher aus Deutschland – etwa zum Älterwerden. Auch hier ging er nicht konform mit dem Mainstream, hatte Schwierigkeiten, einen Verlag zu finden. „Deutschland wurde schöngeredet." Sein damaliges Journalistenleben möchte Preute im Rückblick trotzdem nicht missen: „Es war schön, es war spannend, schnell, manchmal hektisch."

Krimiautor Jacques Berndorf alias Michael Preute sitzt in seinem Arbeitszimmer im rheinland-pfälzischen Dreis-Brück.
Krimiautor Jacques Berndorf alias Michael Preute sitzt in seinem Arbeitszimmer im rheinland-pfälzischen Dreis-Brück. - Foto: picture alliance / dpa

Die erste Ehe scheiterte

Privat zahlte er dafür einen hohen Preis, geriet an die Flasche, wie Preute freimütig berichtet. „Alkohol wurde Mode. Billig ausgedrückt: Wir waren ständig besoffen." Für einen wie ihn mit „Suchtpotenzial" sei das „tödlich" gewesen.

Preute versagte als Familienvater von einer Tochter und einem Sohn. Seine erste Ehe scheiterte nach 17 Jahren – nicht zuletzt am Alkohol. Ehe Nummer zwei und drei hielten jeweils nur ein Jahr. Etwa zu seinem 40. Geburtstag beschloss er, keinen Schluck Alkohol mehr zu trinken – und hat das nach seinen Worten bis heute durchgehalten.

Zur Jahreswende 1984/85 „verkroch" er sich in der Einsamkeit der Eifel, mietete im Örtchen Berndorf ein Bauernhäuschen von 1870. Jahrelang habe er sich mit dem Gedanken getragen, sich selbst umzubringen, erzählt Preute.

In der Ruhe der Eifel-Landschaft löste sich der Knoten. Preute erinnert sich an ein „Schlüsselerlebnis". Damals habe er sich nach einem heftigen Gewitter abends im Wald über Berndorf verlaufen, verbrachte die Nacht unter Bäumen. Als er am nächsten Morgen wieder nach Hause fand, sei für ihn klar gewesen, dass er weiterleben wollte.

In der Eifel begründete er seine Karriere als erfolgreicher Autor. Mit seinen Büchern machte er nicht nur seine neue Heimat bekannter, sondern trug auch maßgeblich dazu bei, dass der Regionalkrimi im deutschsprachigen Raum populär wurde. Vor 30 Jahren erschien „Eifel-Blues, der erste von 23 Bänden seiner Serie um den Journalisten Siggi Baumeister, die viele Parallelen zum Leben von Michael Preute hat.

„Eifel-Blues gammelte" vor sich hin, und Preute musste weiter auf Sparflamme leben, seinem Vermieter auch schon mal sagen, dass er die Miete erst in zwei Monaten bekommt. Aber „Jacques Berndorf" blieb hartnäckig. „Etwa der dritte" brachte Anfang der 90er-Jahre den Durchbruch.

Er selbst war von seinem Erfolg selbst überrascht. Angeblich habe er zehn Millionen Leser, sagt Berndorf bescheiden, aber nicht ohne Stolz. „Ob das so stimmt? Auf jeden Fall sind das eine ganze Menge."

Er musste auf Sparflamme leben

Nach ein paar Jahren konnte Preute von der Schriftstellerei gut leben und sich zwei ältere Häuser in Dreis-Bück gleich hinter der Kirche kaufen. In einem lebt er seit 1996. Das ist fast doppelt so groß wie das Häuschen in Berndorf. Er hat viele Freunde gefunden und nicht zuletzt auch seine vierte Ehefrau, eine echte Eifelanerin. Mit „Geli" ist er seit 20 Jahren verheiratet.

Den lange Zeit unterbrochenen Kontakt zu seiner Tochter bezeichnet der 82-Jährige als „gut, aber distanziert". Beide besuchten sich gegenseitig, seit sie vor ein paar Jahren den ersten Schritt der Wiederannäherung unternahm. Die Erkenntnis des Vaters: „Man kann nicht alles reparieren."

Das Arbeitstier hat knapp 50 Bücher geschrieben, einige Sachbücher, die meisten aber Krimis. Preute hat schon lange keine Lust mehr zu schreiben. Sein letzter Siggi-Baumeister-Krimi, „Eifel-Krieg", erschien 2013.

Ihm bleibt eine große Fangemeinde. Immer wieder fahren Krimi-Touristen in Dreis-Brück an seinem Haus vorbei, um Fotos zu schießen. Und bestimmt 20 Mal sei es schon vorgekommen, dass Leute geklingelt hätten. „Wenn ich dann die Tür aufmachte, haben die gesagt: ‚Wir wollten nur mal gucken, wie Sie aussehen‘", erzählt Preute amüsiert.

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