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WAS MACHT EIGENTLICH...

Benny Andersson (links) mit den Abba-Kollegen Anni-Frid Lyngstad, Agnetha Fältskog and Björn Ulvaeus
Foto: picture alliance / AP Photo

… Benny Andersson?

Als „Kopf" der schwedischen Popgruppe Abba und Komponist vieler Nummer-eins-Hits wurde er in den 70er- und 80er-Jahren zum Weltstar. Der 74-Jährige besitzt eine Plattenfirma und ein Hotel und will mit Abba im September endlich wieder neue Songs veröffentlichen.

Obwohl sich die schwedische Popgruppe Abba schon 1982 aufgelöst hat, gehört sie weltweit nach wie vor zu den beliebtesten Interpreten, und die Fans hoffen schon lange auf ein Comeback. In diesem Herbst nun wollen Benny Andersson, Agnetha Fältskog, Anni-Frid (Frieda) Lyngstad und Björn Ulvaeus nun endlich die zwei neuen Songs auf den Markt bringen, deren Veröffentlichung seit 2018 schon mehrfach verschoben worden war: „Man sollte nichts versprechen. Aber wenn ich selbst zu entscheiden hätte, wäre es im September", kündigte Benny Andersson im Februar an. Bei „I still have faith in you" und „Don´t shut me down" handele es sich um eine tanzbare Pop-Nummer und einen etwas nachdenklichen Titel. Die Arbeit im Studio habe nach fast 40 Jahren allen sofort wieder Spaß gemacht. Dass sich die Veröffentlichung so lange hinzieht, könnte mehrere Gründe haben: Zum einen hatte Andersson vor ein paar Monaten sogar die Möglichkeit eines kompletten Abba-Albums nicht ganz ausgeschlossen. Zum anderen gab es Probleme bei der Erstellung von digitalen Avataren („Abbatars"), die nach Plattenstart statt der leibhaftigen Stars mit einer Liveband auf Tournee gehen sollen. Dass Abba selbst noch einmal live auftreten, schließt Benny Andersson aus: „Dass wir noch mal auf der Bühne performen, wird sicher nicht passieren. Definitiv! Wie aufregend können vier Senioren in ihren Siebzigern auf einer Bühne sein?" Also müssen die Fans wohl mit der neuen Dokumentation „Thank you for the music" vorliebnehmen, die zeitgleich mit den beiden neuen Platten und der „Abbatar"-Tournee veröffentlicht werden soll.

Benny Andersson bei der Party "Mamma Mia" 2019 in London
Benny Andersson bei der Party "Mamma Mia" 2019 in London - Foto: picture alliance / Photoshot

Ehrendoktor in Stockholm

Andersson, den das Magazin „Rolling Stone" 2015 zu den besten 100 Songschreibern zählte, blieb nach der Abba-Trennung der Musik treu. Mit dem Bandkollegen Ulvaeus schrieb er vier erfolgreiche Musicals: 1984 „Chess", in den 90er-Jahren „Kristina fran Duvemala", 1999 dann „Mamma Mia!", das inzwischen auch schon Stoff für zwei Kinofilme lieferte, und zuletzt 2013 „Hjälp sökes". Zudem produziert Andersson andere Künstler, darunter auch seine Abba-Kollegin und Ex-Frau Anni-Frid. Plattenerfolge hatte er zuletzt aber vor allem mit „Benny Andersson´s Orkester" (BAO), das volksmusiknahe Instrumentalstücke spielt und seit 2001 sieben Alben veröffentlicht hat, auf denen auch einige von Björn Ulvaeus getextete Lieder zu hören sind. Unter eigenem Namen hat Andersson 2018 für sein Album „Piano" noch mal Abba-Klassiker am Klavier eingespielt und dafür den Opus-Klassik-Preis erhalten. Zuvor hatte er mit Kristina Lugn für die Hochzeit der schwedischen Prinzession Victoria eine klassische Hymne komponiert, die am 19. Juni 2010 vom königlichen Orchester uraufgeführt wurde. Für seine Verdienste um die schwedische Musik wurde Andersson 2002 zum Professor und 2008 zum Ehrendoktor der Stockholmer Universität ernannt. Bis heute arbeitet Andersson diszipliniert weiter: „Ich gehe jeden Tag in mein Büro in Stockholm, wo ich mich wochentags von 10 bis 17 Uhr um meine Angelegenheiten kümmere", sagte er anlässlich seines 70. Geburtstages in einem „Zeit"-Interview. Er versuche weiterhin, täglich noch Musik zu schreiben, aber niemals nach Feierabend: „Noch nie ist mir ein Song mitten in der Nacht durch den Kopf gerauscht oder während ich mit dem Hund draußen war." Vielmehr müsse er an seinem Klavier „spielen, spielen, spielen auf der Suche nach frischer Musik". Irgendwann käme dann, nach „viel Müll", immer auch etwas Gutes heraus. Trotz der anhaltenden Popularität von Abba kann Andersson sich in der Öffentlichkeit inzwischen freier bewegen als früher. So habe ihn kürzlich kein Mensch erkannt, als er mit seinen beiden Enkeltöchtern ein Justin-Bieber-Konzert besuchte: „Ich war einfach nur ein Opa mit seinen Enkelinnen."

Züchtet Rennpferde

Benny Andersson ist auch als Geschäftsmann erfolgreich. Er hat schon vor längerer Zeit die Plattenfirma „Mono Music AB" gegründet und besitzt zudem in Stockholm das 4-Sterne-Boutique-Hotel „Rival" und einen Reitstall. Und es kann durchaus passieren, dass er abends unangekündigt in der Bar seines Hotels am Piano sitzt und alte Volkslieder zum Besten gibt: „Mir macht das Spaß. Und keiner kann es mir verbieten, denn das Hotel gehört mir", verriet Andersson der „Zeit". Viel Spaß macht ihm auch seine Pferdezucht: „Es ist mehr als ein Hobby für mich. Ich züchte schon seit 25 Jahren Rennpferde und gucke mir regelmäßig Rennen an." Er habe bisher schon über 100 Pferde besessen und halte aktuell knapp zwei Dutzend in seinem Stall „Chess Racing", was aber nur bei Kennern des schwedischen Reitsports bekannt sei. Wenn demnächst tatsächlich die neuen Abba-Songs erschienen sind, bleibe ihm für seine Pferde weiterhin genug Zeit, da die Band ja nicht auf Tournee gehen wird. Der „beste zeitgenössische Komponist Schwedens" hat auch abseits der Musik neue Ideen und sich in jüngerer Zeit sogar als Filmregisseur versucht: 2015 zeigte er auf der Berlinale seine Literaturverfilmung „The Circle", die aber nur in Schweden in die Kinos kam.

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